Gesundheit : Kleiner Schnitt, großes Können Prüfsiegel für Schlüsselloch-Chirurgie

Adelheid Müller-Lissner

Statt eines großen Schnitts nur eine kleine Öffnung, durch die der Operateur seine Instrumente in den Körper einführt: Mit der „Schlüsselloch-Chirurgie“ ist die Aussicht auf kleinere Narben, weniger Schmerz und einen kürzeren Aufenthalt im Krankenhaus verbunden.

Bei der Entfernung von Gallenblase und Blinddarm, aber auch bei Leistenbrüchen und Eingriffen an Gelenken sind sie an vielen Kliniken schon Routine. Doch kann sich der Patient überall dort vertrauensvoll in Behandlung begeben, wo mit der minimal-invasiven Chirurgie geworben wird? Das ist eines der Themen des 123. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, zu dem sich bis Freitag über 5000 Experten im ICC treffen.

„Das Problem ist, dass es sich um komplett neue Techniken handelt, für die auch erfahrene Chirurgen nochmals die Schulbank drücken müssen“, sagte gestern der Stuttgarter Chirurg Reinhard Bittner. Um die Qualität sicherzustellen, setzt die Deutsche Gesellschaft für Viszeralchirurgie, deren Präsident Bittner derzeit ist, auf eine strukturierte Ausbildung und die Standardisierung der Operationstechniken. Wer von der Fachgesellschaft das Zusatzzertifikat „Minimal-Invasive Chirurgie“ erlangen möchte, muss drei ungeschnittene Videos von selbstständig durchgeführten Operationen zur Beurteilung vorlegen.

Zusätzlich hat die Arbeitsgemeinschaft „Minimal-Invasive Chirurgie“ ein Netzwerk von Kliniken geschaffen, in denen Chirurgen hospitieren können, um die neuen Techniken zu erlernen. Denn Studien zeigen, dass die Patienten am schlechtesten dran sind, wenn ein mit Schlüsselloch-Technik begonnener Eingriff der Not gehorchend konventionell fortgesetzt werden muss. Besonders die schwierige Behandlung kindlicher Fehlbildungen mit minimal-invasiver Chirurgie sollte nach Ansicht der Experten deshalb auf wenige Zentren beschränkt bleiben.

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