Gesundheit : Kleiner Streik an der FU

Tilmann Warnecke

Mit großer Mehrheit hat sich die studentische Vollversammlung der Freien Universität Berlin jetzt gegen den Krieg in Afghanistan gewandt. Studentenverteter forderten ihre Kommilitonen zu Demonstrationen und anderen Protesten gegen den Krieg auf. "Die passive Ablehnung soll einer aktiven weichen", meinte Yaak Pabst vom Antikriegskomitee der FU. Die Studenten schlossen sich gleichzeitig einem Streikaufruf mehrerer Dozenten an, die für zwei Tage ihre Arbeit niederlegten.

Mit einer Resolution bekräftigten die Studenten ihre Forderungen nach einem Stopp der Bombardements in Afghanistan, gegen Bundeswehreinsätze sowie nach dem sofortigen Ende der Rasterfahndung, die seit den Terroranschlägen an den Hochschulen läuft. Ein Gast sorgte allerdings dafür, dass die Versammlung mehr über die Politik der Bundesregierung statt über Alternativen diskutierte. "Nur zum Zuhören" sei er eigentlich gekommen, meinte Hans-Christian Ströbele, prominenter Kriegsgegner der Grünen. Die Studenten funktionierten daraufhin die Diskussion zu einer Generalabrechnung mit den Grünen um: "Heuchler" war noch eine der harmloseren Bezeichnungen für Stöbele. Mehrere Studierende betonten, dass sie gerade aus der Grünen-Partei ausgetreten seien.

Vom Reizthema Grüne abgesehen, herrschte bei den Teilnehmern Nachdenklichkeit vor. "Ich habe vor allem gefühlsmäßige Probleme mit dem Krieg", sagte die Jura-Studentin Anke Sprenger. Sie erwarte eine inhaltliche Diskussion, um sich eine eigene Meinung zu bilden. "Ich will mich vor allem erstmal informieren", pflichtete ihre Kommilitonin Barbara Jaeschke bei. Von einer Massenbewegung ähnlich wie der gegen den Vietnam-Krieg, die sich das FU-Antikriegskomitee erwartet, sind die FU-Studenten also noch weit entfernt. Einige hundert Studenten beteiligten sich an der Vollversammlung.

In der Auseinandersetzung mit Ströbele ging dann unter, dass elf Hochschullehrer aus Protest gegen den Kriegseinsatz für zwei Tage ihre Arbeit niederlegten. Elf Dozenten seien zwar eine "vergleichsweise lächerliche Zahl", räumte Initiator Peter Grottian ein, Politik-Professor am Otto-Suhr-Institut. "Aber wir wollen Studenten ermutigen, ebenfalls gegen den Krieg aktiv zu werden. Da kann man selber nicht nur daherreden."

Vorwürfe, dass er lernwillige Studenten mit einer gegenteiligen politischen Meinung von ihrer Arbeit abhalte, wies er zurück: "Nur weil einmal eine Lehrveranstaltung ausfällt, ist das studentische Interesse am Scheinerwerb noch lange nicht gefährdet." Über mögliche Disziplinarmaßnahmen seitens der Unileitung sei er sich zwar bewusst. Denn laut Dienstrecht dürfen Beamte nicht streiken. Die Rechtsabteilung der FU prüft nun, ob die Arbeitsniederlegung mit dem Dienstrecht kollidiert. Solange Ersatzveranstaltungen angeboten würden, will man bei der Unileitung nicht von Streik sprechen. "Wir haben keine Lust, darum ein Riesen-Theater zu machen", kommentierte FU-Pressesprecherin Felicitas von Aretin.

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