Gesundheit : Klimaschutz im Klassenzimmer - ein Großprojekt an Bremer Schulen

Eckhard Stengel

Dass Schulen mit behördlicher Unterstützung ihren Anteil am klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß zu senken suchen, ist inzwischen vielerorts zur guten Sitte geworden. Einmal wurde sogar gegen die Bundesregierung gewettet: Auf Initiative des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) drosselten 192 deutsche Schulen ihren Kohlendioxid-Anteil innerhalb von sieben Monaten um über zehn Prozent. Die Regierung belohnte die Schulen mit einem großen Fest.

Weniger spektakulär, aber dafür mit langem Atem arbeiten die Klimaschützer an der Weser. Nach und nach haben sich 137 von 170 Bremer Schulen einem Sparprojekt angeschlossen, das jeweils mit dem Einsatz von Schülern als "Energie-Detektiven" beginnt: Brennt auch bei Sonnenschein das Licht im Klassenraum? Muss der Warmwasserboiler im Standby-Betrieb am Netz bleiben, auch wenn er nur selten genutzt wird? Wird beim Lüften die Heizung abgedreht?

Neben bewussterem Nutzerverhalten werden auch Investitionen angeschoben: hier ein paar Durchflussbegrenzer für Wasserhähne und Spartasten für die Klospülung, dort eine besser regulierbare Heizungsanlage. Und nicht zu vergessen: die lang ersehnten Thermostat-Ventile an den Heizkörpern, damit nicht länger die Methode "Temperaturregelung per Fensteröffnung" zum Einsatz kommt.

Vor allem Turnhallen seien "immense Strom- und Wärmeverbraucher", sagt die Koordinatorin des Projekts, die Diplom-Ingenieurin Maren Hille vom Bremer Energie-Institut. Da hilft eine bessere Wärmedämmung ebenso wie eine Lichtsteuerung mit drei Helligkeitsstufen: fürs Putzen, für den Unterricht und für Wettkämpfe.

Das im Bundesvergleich Besondere an dem Bremer Projekt ist laut Hille, dass neben der Bildungsbehörde auch diverse andere Einrichtungen mitwirken. Die teilprivatisierten Stadtwerke und die von ihr mitgetragene gemeinnützige "Bremer Energie-Konsens GmbH" beteiligen sich neben der Stadt an den Investitionen. Eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft führt sie kostengünstig aus. Und in einer Arbeitsgruppe, die regelmäßig neue Sparideen sammelt, engagieren sich unter anderem der BUND und die Bremer Umweltberatung.

Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen: Obwohl noch nicht alle Bremer Schulen mitmachen, wurde ihr gesamter Wasserverbrauch schon um 13 Prozent reduziert. Bei Strom und Wärme sparten sie rund zwölf Prozent Kohlendioxid ein - seit Beginn des Projekts immerhin schon 14 000 Tonnen, wie Hille vorrechnet. Als Anschubfinanzierung flossen bisher etwa drei Millionen Mark. Allein im vergangenen Jahr sanken dafür die Verbrauchskosten um 1,5 Millionen Mark. "Das Projekt trägt sich mittlerweile selbst", sagt die Organisatorin.

Besonders reizvoll für die Schulen: Von den eingesparten Kosten dürfen sie ein Viertel zur freien Verwendung behalten. Und die Hälfte wird bei ihnen für weitere Energie- oder Wassersparmaßnahmen eingesetzt. Nur 15 Prozent fließen in den Stadthaushalt zurück. Die restlichen zehn Prozent gehen je zur Hälfte als Ausgleichsbetrag an Schulen, bei denen nichts mehr einzusparen ist, und als Prämie an engagierte Hausmeister. Denn von ihrer Mitwirkung hängt viel ab. Deshalb werden sie auch besonders geschult.

Ähnlich gute Erfahrungen mit alltäglichem Umweltschutz hat die Evangelische Kirche in Bremen gemacht. Unter der Regie ihres seit zehn Jahren amtierenden ehrenamtlichen Umweltbeauftragten, des Ex-Gesundheitssenators Herbert Brückner (SPD), rüsteten 60 von 69 Kirchengemeinden ihre Beleuchtung auf Energiesparlampen um. Ihr Stromverbrauch sank dadurch um über 15 Prozent. Für eine einmalige Investition von 127 000 Mark werden jetzt jedes Jahr fast 100 000 Mark Stromkosten eingespart und 217 Tonnen weniger Kohlendioxid ausgestoßen. Unter dem Motto "Jeder Tropfen zählt" reduzierten zudem 32 Kircheneinrichtungen ihren Wasserverbrauch um fast ein Drittel. Ein Teil der Ersparnisse fließt in Hilfsprojekte für die Dritte Welt.

Erfolglos blieb allerdings der Vorstoß, den kirchlichen Strombedarf mit eigenen Windkraftanlagen abzudecken. Dafür war der Gegenwind in konservativen Gemeinden denn doch zu stark. Einer ihrer Wortführer meinte sogar: Nicht die Windkraft, sondern der Heilige Geist sei die Energie für die Kirche.

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