Klinik-Jahresrückblick : Visite im Jubiläumsjahr

300. Geburtstag, World Health Summit, Schlaganfall-Prävention: 2010 ist an der Charité viel passiert Und der Klinikkonzern Vivantes hat sich unterdessen um die Integration verdient gemacht

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Mondanzug. Ein Mitarbeiter der neuen Charité-Isolierstation im Einsatz. Foto: Charité
Mondanzug. Ein Mitarbeiter der neuen Charité-Isolierstation im Einsatz. Foto: Charité

Die Charité ist das bedeutendste Krankenhaus der Stadt – und auch beim Jahresrückblick 2010 steht sie im Vordergrund. Doch auch von Vivantes kommen positive  Meldungen. Dessen Ausbildungsinstitut ist mit einem Preis für gelungene Integration ausgezeichnet worden.

GUT ISOLIERT

In den 70er Jahren hatte man noch Angst vor Pocken. „Heute fürchtet man eher die Einschleppung gefährlicher Erreger durch den internationalen Reise- und Warenverkehr“, sagt Frank Bergmann, Ärztlicher Leiter der größten Sonderisolierstation Deutschlands. Sie wurde nach vierjähriger Bauzeit am 8. Dezember am Virchow-Klinikum der Charité eröffnet. Die Vorgängerstation von 1978 ist komplett saniert und modernisiert worden. Jetzt gibt es 20 Betten für Patienten mit hoch ansteckenden, lebensgefährlichen Erkrankungen wie Ebola oder Lungenpest. Ärzte und Pflegekräfte tragen im Ernstfall aufblasbare Anzüge, die die Atemluft filtern. Luftdruckschleusen verhindern, dass verunreinigte Luft in Bereiche gelangt, in denen sich Personal ungeschützt aufhält. Hochleistungsfilter sorgen dafür, dass keine Viruspartikel aus der Station entweichen. Im Normalbetrieb werden Menschen mit leichteren Infektionskrankheiten und Lungenleiden auf der Station behandelt. Sollte sie aber einmal maximal mit Patienten in Quarantäne ausgelastet sein, werden 200 Mitarbeiter gebraucht.

BÜCHER ZUM JUBILÄUMSJAHR

Am 13. Mai 1710 begannen die Bauarbeiten für das Pesthaus vor dem Spandauer Tor, aus dem sich eine der größten Universitätskliniken Europas entwickeln sollte. 300 Jahre ist das her, und dieses Jubiläum beging die ehrwürdige und rüstige alte Dame Charité mit Kongressen, Ausstellungen und Vorträgen. Zwei Neupublikationen bereiten die Geschichte des Krankenhauses besonders anschaulich auf. In dem 2010 erschienenen Bildband „Die Charité in Berlin. Fotografien um 1910“, herausgegeben von Medizinhistoriker Volker Hess, erfährt man etwa, dass die Charité eine eigene Fleischküche hatte. Fleisch war zwar teuer und vor der Ära der modernen Kühlschränke vom Verderben bedroht. Doch tierisches Eiweiß galt als besonders kräftigende Krankenkost. Die Patienten registrierten angesichts der aufkommenden Konkurrenz unter den Krankenhäusern die Größe der Bratenportionen genau. Der ebenfalls dieses Jahr erschienene Taschen-Reiseführer „Das medizinische Berlin“ von Eva Brinkschulte und Thomas Knuth blickt noch über die Charité hinaus. Acht Rundgänge führen zu den Spuren einer erstaunlich jungen Wissenschaft, die im 19. Jahrhundert ihren Mittelpunkt in Berlin hatte. Auch die Städtischen Krankenhäuser und die konfessionellen Kliniken kommen in den Blick.

DEN SCHLAGANFALL ERKENNEN

Was tun, wenn ein Angehöriger plötzlich still bleibt und auf Ansprache nicht mehr richtig reagiert? Die Zeichen eines Schlaganfalls erkennen zu können war eines der zentralen Anliegen der Kampagne „Berlin gegen den Schlaganfall“ (www.berlin-schlaganfall.de), die die Charité gemeinsam mit anderen Partnern wie der Schlaganfall-Allianz und der Feuerwehr dieses Jahr von Mai bis Oktober ins Leben gerufen hat. Eine wichtige Botschaft: Nach einem Schlaganfall schnell handeln und die 112 anrufen. Denn die Feuerwehr verliert nicht viel Zeit mit der Suche nach dem richtigen Krankenhaus. Die Kampagne hat sich explizit auch an Jüngere gerichtet, denn für sie bedeutet ein Schlaganfall meist ein besonders einschneidendes Ereignis.

AUS MIGRANTEN WERDEN MITARBEITER

„Nachwuchs“ war 2010 ein ganz großes Thema in der Gesundheitsszene, nicht allein bei Medizinern. In vielen Regionen, vor allem in dünn besiedelten ländlichen Gegenden, sind nicht nur Ärzte, sondern auch Pflegekräfte heute schon Mangelware. Das Vivantes Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen (IbBG) bildet 765 Menschen aus, die einmal (Kinder-)Krankenpfleger oder -schwestern, Hebammen, Operationstechnische Assistenten oder Altenpfleger(innen) werden. Der Landesbeirat für Integrations- und Migrationsfragen hat das IbBG im Oktober mit dem Integrationspreis 2010 ausgezeichnet, den er seit 2004 jährlich an ein Berliner Unternehmen vergibt. Mit den 5000 Euro soll vorbildliches Engagement in der Ausbildung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund gewürdigt werden. Denn im Moment lernen junge Menschen aus zwanzig Nationen im IbBG. Viele wurden in den letzten Jahren in einen der Ausbildungsgänge bei Vivantes übernommen. Das Engagement des Krankenhauskonzerns dürfte nicht allein für den Lebensweg der jungen Leute, die eine gute Ausbildung bekommen, sondern auch für die Patienten von Nutzen sein: Im Vivantes Klinikum Am Urban, das in diesem Jahr sein 120. Jubiläum feiern konnte, und im Vivantes Klinikum Neukölln liegen besonders viele Kranke mit ausländischen Wurzeln.

GIPFEL FÜR GESUNDHEIT

In Berlin haben wir es gut, was die medizinische Versorgung betrifft. In Ländern wie Bangladesh profitieren die meisten Menschen wenig vom medizinischen Fortschritt. Eines der Millenniumsziele der Vereinten Nationen lautet, die Sterblichkeit der unter Fünfjährigen bis 2015 gegenüber 1990 um zwei Drittel zu reduzieren. Das war eines der Themen beim zweiten World Health Summit (Weltgesundheitsgipfel), der im Oktober unter Schirmherrschaft von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in der Charité abgehalten wurde – in einer weitaus friedlicheren Atmosphäre als noch 2009. Der erste Gipfel war nämlich noch von einem kritischen „Gegengipfel“ begleitet worden, weil sein Programms nur auf westliche Hochleistungsmedizin ausgerichtet war. Diesmal war das Treffen, dessen akademisches Fundament eine Allianz aus internationalen Universitäten und Akademien bildete, deutlich globaler ausgerichtet – und deswegen auch spannender. Verhandelt wurden Themen wie die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit. Zu den Referenten gehörten Professoren aus Australien, die Aborigines ermutigen, Medizin zu studieren.

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