Gesundheit : Klinikum Benjamin Franklin: Tour de Science

Adelheid Müller Lissner

Der grüne Reisebus steht an der Klingsorstraße, Eingang Nord. Ein Senator, etwa 25 Mitglieder des Abgeordnetenhauses und ebenso viele Medienvertreter sind zur Informationsfahrt über den Biomedizinischen Campus Dahlem/Steglitz erschienen. "Wir möchten Ihnen eine praktische Anschauung von dem geben, was wir zu verteidigen versuchen", so leitet FU-Präsident Peter Gaehtgens die Tour ein. Bevor sie im Klinikum endet, wird an mehreren Forschungs-Stationen Halt gemacht.

Tatsächlich nehmen die Argumente, die in den letzten Wochen gegen die Schließung der FU-Medizin wieder und wieder vorgebracht wurden, hier sichtbare Gestalt an. So führt der Science-Tourismus die Abgeordneten vorbei am Institut für Geschichte der Medizin, seit eineinhalb Jahren dem Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften zugehörig und geradezu die "Verkörperung der Kooperation mit der HU". Am Hindenburgdamm liegt das Tibor-Diamantstein-Haus. Es bietet Forschungsflächen für zahlreiche Projekte, die Drittmittel eingeworben haben. Eine Kurve nach links führt zu dem Gebäude, in dem das Institut für Hygiene, die Virologie und die Medizinische Mikrobiologie untergebracht sind. "Hier ist ein weltweites Netzwerk für die Qualitätssicherung bei der Virusdiagnostik untergebracht, nicht ganz unwichtig zum Beispiel in Sachen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung."

Über die Drakestraße zur Garystraße, zum ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Institut: "Das ist seit 1906 Wissenschafts-Gelände". Vorbei an den Museen. An der Ecke Arnimallee/Fabeckstraße wartet Burkhard Wittig, Leiter des Instituts für Biochemie und Bioinformatik und Direktor der Mologen-AG, der erfolgreichsten "Ausgründung" der FU. "Unsere Erfolgsgeschichte ist nur durch die extrem enge Zusammenarbeit mit der Uni möglich geworden."

In der Ihnestraße steht vor dem Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik schon der Genomforscher Hans Lehrach. Ein Hauch von großer, weiter Welt, von Harvard und Stanford wird spürbar, als er den Abgeordneten versichert: "Berlin hat das Potenzial zu einem Genome Valley. Sie können hier gute Leute anziehen, wenn Sie sie nicht mit Gewalt vertreiben!"

Wissenschaftssenator Thomas Flierl hört aufmerksam zu. Und versichert angesichts dieser deutlichen Worte, man wolle die biomedizinischen Forschungsmöglichkeiten in Berlin erhalten. Vorsichtig deutet er an, Schließung sei nur "eine denkbare Variante".

FU-Vizepräsident Dieter Lenzen bezeichnet es als "schlechten Stil", dass kein einziger SPD-Abgeordneter der Einladung zur Medizin-Tour gefolgt ist. "Dass etliche PDS-Abgeordnete da sind und dass auch der zuständige Senator sich informiert hat, ist aber wichtig.

Einer ist nicht primär gekommen, um sich zu informieren, sondern will vor allem Solidarität demonstrieren. "Ich kenne das hier alles, ich habe ja sogar einmal hier studiert", sagt Bernd Köppl, Medizin- und Wissenschaftsexperte der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Ihn beschäftigen die jüngsten Äußerungen des Charité-Verwaltungsleiters Bernhard Motzkus, der die Schließung der Medizinischen Fakultät der FU befürwortet. "Der Regierende Bürgermeister hätte sich damit allerdings den falschesten Berater gesucht", sagt er dem Tagesspiegel.

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