Kolumne : Die Übeltäter: So erzeugen Papillomaviren Krebs

Über Papillomaviren und darüber, wie man sie bekämpfen kann, wird in letzter Zeit viel diskutiert. Im Dezember bekam der Heidelberger Forscher Harald zur Hausen den Medizinnobelpreis, weil er nachgewiesen hatte, dass einige der Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen können.

Björn Rosen

Über Papillomaviren und darüber, wie man sie bekämpfen kann, wird in letzter Zeit viel diskutiert. Im Dezember bekam der Heidelberger Forscher Harald zur Hausen den Medizinnobelpreis, weil er nachgewiesen hatte, dass einige der Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Für eine Impfung, die die Erreger stoppt, zahlen die Kassen schon seit 2007. Einige Experten beklagen nun, die Impfung sei zu schnell eingeführt worden, ihre Wirksamkeit noch nicht hinreichend bewiesen. Allerdings befürwortet die überwiegende Mehrheit der Fachleute, etwa die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie, die Impfung.

Es gibt viele Papillomaviren, auch solche, die Tiere befallen – zum Beispiel Rinder oder Hunde. Die Viren haben die Form eines Ikosaeders, ihre Oberfläche ist also aus 20 gleichseitigen Dreiecken zusammengesetzt. Für den Menschen sind die mehr als 100 verschiedenen Humanen Papillomaviren (HPV) von Bedeutung. „Sie alle nisten sich in der Haut oder Schleimhaut ein, führen aber meist nur zu harmlosen Infektionen oder Warzen“, sagt Achim Schneider, Professor für Gynäkologie an der Charité. Rund 25 werden mit Genitalkrebs in Verbindung gebracht. Männer tragen das Virus genauso in sich wie Frauen (und können deshalb auch Überträger sein), bei ihnen kommt es aber sehr viel seltener zum Entstehen eines Karzinoms, etwa am Penis.

Gebärmutterhalskrebs wird vor allem durch zwei Virus-Typen ausgelöst: HPV 16 und, in geringerem Maße, HPV 18. Meist gelangen die Viren beim Sex in den Körper. Gibt es im Bereich des Gebärmutterhalses, der sich zwischen der Vagina und der Gebärmutter befindet, kleine Einrisse in der Haut, dann können sie sich dort festsetzen. Denn nur bei den untersten Hautzellen haben sie eine Chance. In sie schleust das einzelne Virus sein Erbgut (seine DNS) ein und nutzt die Wirtszelle, um dieses zu vervielfältigen, also um sich tausendfach zu vermehren. Dies führt dazu, dass Wucherungen – eben die beschriebenen Warzen – entstehen. „Meist bekommt die Immunabwehr das Problem in den Griff“, sagt Gynäkologe Schneider.

Bei einer von 100 Frauen, die sich infiziert haben, verbleibt der Eindringling aber über lange Zeit im Körper – und vermehrt sich irgendwann nicht mehr „normal“. „Stattdessen werden in den Wirtszellen nur noch bestimmte Teile vom DNS-Strang des Virus vervielfältigt, insbesondere die Gene E6 und E7“, sagt Schneider. Sie manipulieren die Zelle. Das Erbgut des Erregers wird zum festen Teil der Wirtszelle, die sich damit in eine Krebszelle verwandelt und sich ungebremst teilt. Die Wucherungen werden immer gefährlicher und können metastasieren. Eine Operation, Strahlen- oder Chemotherapie sind dann nötig.

Ein guter, wenn auch nicht hundertprozentiger Schutz vor Ansteckung mit den Viren ist Safer Sex. Die Impfung wird von der Impfkommission für Mädchen von 12 bis 17 Jahren empfohlen. Die beiden verfügbaren Impfstoffe schützen vor den zwei gefährlichsten Virus-Typen HPV 16 und 18, einer auch gegen die Erreger gutartiger Warzen.Björn Rosen

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