Kolumne zu Sportverletzungen : Dr. Dollas Diagnose (11)

Einst behandelte der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla die Spieler von Hertha BSC, für uns schreibt er seine Kolumne "Dr. Dollas Diagnose". In der aktuellen Folge geht es um die Behandlung auf dem Fußballplatz.

Dr. Thorsten Dolla
Die Trage für den Notfall. In den meisten Fällen kann auf dem Spielfeld oder am Spielfeldrand eine Erstversorgung oder eine Linderung der Schmerzen herbeigeführt werden.
Die Trage für den Notfall. In den meisten Fällen kann auf dem Spielfeld oder am Spielfeldrand eine Erstversorgung oder eine...Foto: dpa

Es vergeht kein Fußball-Wochenende, an dem es nicht irgendwo zu einer Spielunterbrechung im Zuge einer Verletzung eines Spielers kommt. Dann bittet der Schiedsrichter das medizinische Personal des verletzten Spielers auf den Rasen. Häufig können die Spieler nach einer kurzen Behandlung wieder weiterspielen. Wir fragen uns: Was ist eigentlich in den kleinen Köfferchen, das die Mediziner mit sich führen?

In aller Regel ist es so, dass nicht nur der Mannschaftsarzt, sondern auch ein Physiotherapeut mit aufs Spielfeld zum verletzten Spieler eilt. Der Inhalt des Köfferchens oder der Tasche bleibt den Fernsehkameras meist verborgen. Dabei ist es eigentlich kein großes Geheimnis. In erster Linie richtet sich der Inhalt nach den typischen Verletzungen. Wenn der Spieler nach kurzer Behandlung wieder aufsteht und weiterspielen kann, dann hat das nichts mit Zauberei zu tun.

Die Grundausstattung der einzelnen Erste-Hilfe-Köfferchen ist durchaus ähnlich. Zu den Basics zählen Desinfektionspray, elastische Binden, Eis, sterile Kompressionen, Verbandsschere, Nahtmaterial, Steri-Stripes, Blasenpflaster sowie Leukotape. Abhängig von den unterschiedlichen Verletzungen einer Sportart, aber auch von der Erfahrung und Ausbildung der Mediziner und Ersthelfer wird jeder „Koffer“ individuell zusammengestellt werden müssen. Denn die richtige Erstversorgung kann sehr entscheidend sein. Dadurch kann die anschließende Behandlungszeit und damit auch die Ausfallzeit des Sportlers deutlich reduziert werden.

Nach einer Erstuntersuchung noch auf dem Spielfeld wird die Schwere der Verletzung festgestellt. Danach richtet sich die weitere Behandlung. Ganz entscheidend ist immer der Zeitpunkt der Erstversorgung. Noch auf dem Feld muss oft schon entschieden werden, ob die Verletzung sofort versorgt werden kann, oder aber ob eine Fortsetzung des Spiels für den Betreffenden nicht mehr möglich oder nicht empfehlenswert ist.

In den meisten Fällen kann auf dem Spielfeld oder am Spielfeldrand eine Erstversorgung oder eine Linderung der Schmerzen herbeigeführt werden, sodass der Spieler ohne Folgeschäden das Spiel fortsetzen kann. Bei Prellungen zum Beispiel, der vielleicht häufigsten Verletzung, wird die verletzte Stelle mit Eis behandelt. Oder man legt dem Spieler einen Kompressionsverband an. Anschließend hat der Spieler das Feld zu verlassen, um sich dann möglichst umgehend für die Wiederaufnahme des Spiels beim Vierten Offiziellen anzumelden.

Damit ist natürlich die Behandlungszeit beschränkt. Schnell muss entschieden werden, ob der Spieler eine längere Behandlung benötigt, da sonst ausgewechselt werden muss. Niemand möchte die eigene Mannschaft schwächen.

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla.
Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla.Foto: promo

Gelegentlich erleiden Spieler nach Zweikämpfen blutende Rissverletzungen an den Extremitäten oder Platzwunden am Kopf. Auch Spieler, die Nasenbluten bekommen, müssen das Spielfeld verlassen und haben im Seitenaus versorgt zu werden. Beim Nasenbluten bekommt der Spieler Eis in den Nacken und eine Tamponade für die Nase. Der Spieler kann im Prinzip sofort weiterspielen; das Bluten hört häufig rasch wieder auf.

Bei einer Kopfplatzwunde wird dem betreffenden Spieler nach Desinfektion ein Verband angelegt, der wie ein Turban aussieht. Nach dem Abpfiff kann im Anschluss an das Duschen und einer weiteren Desinfektion der Wunde diese mit einer Naht versorgt werden. Auch die sofortige Versorgung mit einer Naht am Spielfeldrand ist möglich. Dabei darf dies jedoch nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Alternativ kann auch „getackert“ werden. Dabei ziehen Klammern die Wundränder zusammen und verhindern so weiteres bluten

Inzwischen werden auch die Fußballer in aller gebotenen Eile unter ästhetischen Gesichtspunkten medizinisch versorgt. Eine Gesichtsverletzung wird in aller Regel nicht „getackert“.

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