Kolumne zu Sportverletzungen : Dr. Dollas Diagnose (14)

Einst behandelte der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla die Spieler von Hertha BSC, für uns schreibt er seine Kolumne "Dr. Dollas Diagnose". In der aktuellen Folge geht es um Fitness in der spielfreien Zeit. Ist Hochleistung auch dann möglich?

Dr. Thorsten Dolla
Länderspiele bedeuten eine Mehrbelastung für die Spieler.
Länderspiele bedeuten eine Mehrbelastung für die Spieler.Foto: dapd

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht vor der nicht ganz so gewöhnlichen Aufgabe, mitten in der eigentlich spielfreien Zeit Länderspiele zu bestreiten. Zwei Wochen nach dem Saisonabschluss bestritt sie am Sonntag gegen Uruguay ein Testspiel, es folgen am Freitag und Dienstag nächster Woche noch zwei EM-Qualifikationsspiele. Ist unter diesen Umständen mit Höchstleistungen zu rechen?

Natürlich möchte jeder Zuschauer, der die Fußball-Nationalmannschaft sieht, ob im Stadion oder vor dem Fernseher, Höchstleistung sehen. Und natürlich möchten auch die Spieler ein gutes Spiel machen. Geht es doch auch um deren Zukunft in der Auswahlmannschaft. Im nächsten Jahr findet die Europameisterschaft statt. Jeder möchte sich zeigen. Zudem gilt als erwiesen, dass die allgemeine Fitness eines Profifußballers nach zwei Wochen ohne aktives Training nicht deutlich sinkt. Einzig der fehlende Spielrhythmus macht sich bemerkbar. Vor den kommenden Qualifikationsspielen liegen aber genügend Trainingseinheiten.

Die Saison für einen Profifußballer ist, mal abgesehen von einer kurzen Winter- und einer rund dreiwöchigen Sommerpause, recht lang. Eine Pause bedeutet jedoch auch nicht mehr, nichts zu tun. Vielmehr ist die Pause, die ja mittlerweile nur eine spielfreie Zeit ist, ein Synonym für eine aktive Regeneration. Zur körperlichen Belastung eines Fußballers gehört neben den Pflichtspielen auch die Vorbereitungsphase der Hin- bzw. der Rückserie.

Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.
Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.Foto: promo

Auch in den Mannschaftssportarten wird zunehmend individuell trainiert. Trainingsergebnisse werden von den Trainern ausgewertet und können anschließend mit dem Spieler besprochen werden. Es gibt neben dem Trainer, seinem Assistenztrainer und dem Torwarttrainer ein Funktionsteam, das sich um jeden einzelnen Spieler kümmert.

Natürlich bedeuten die Länderspiele eine zweiwöchige körperliche Mehrbelastung für die Spieler. Aber auch durch die Weiterentwicklung in der Medizin und der Trainingslehre kann man den körperlichen Trainingszustand eines jeden Spielers feststellen. Ein individueller Umgang mit den Erkenntnissen über den einzelnen Spieler hat dann ein individuelles Training zur Folge. Man wird kein Training sehen, in dem die ganze Mannschaft mit Medizinbällen und Gewichtswesten trainiert. Trotzdem bleibt Fußball eine Mannschaftssportart und natürlich wird auch in der Gruppe trainiert.

Die Ergebnisse der Fitnesstests und der medizinischen Untersuchungen liefern wichtige Erkenntnisse für die Belastung des Spielers. Das Training macht das Trainerteam. Sie geben die Belastung auf dem Platz auch aufgrund ihrer Erfahrung vor.

Wünschen wir den Nationalspielern viel Erfolg und natürlich Gesundheit. Motiviert sind ja alle.

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