Kolumne zu Sportverletzungen : Dr. Dollas Diagnose (6)

Einst behandelte der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla die Spieler von Hertha BSC, für uns schreibt er seine Kolumne "Dr. Dollas Diagnose". In der aktuellen Folge geht es um Angela Merkel, die sich eine typische Sportverletzung zugezogen hat.

Dr. Thorsten Dolla
Die Kanzlerin an Krücken. Man muss dafür aber nicht gleich Leistungssport betreiben.
Die Kanzlerin an Krücken. Man muss dafür aber nicht gleich Leistungssport betreiben.Foto: dpa

Bislang ist von den sportlichen Aktivitäten Angela Merkels wenig bis gar nichts an die Öffentlichkeit gedrungen. Dennoch hat sich die Frau Bundeskanzlerin gerade einer Meniskus-Operation unterzogen. Ist Frau Merkel vielleicht doch Sportlerin, oder ist das Kniegelenk mit seinen Menisken schlicht sehr verletzungsanfällig?

Die Meniskusverletzung ist eine sehr häufige Verletzung im Kniegelenk; sie kommt bei Sportlern und Nichtsportlern gleichermaßen vor. Das Kniegelenk hat einen halbmondartigen Innen- und Außenmeniskus, der aus Knorpel besteht. Für Oberschenkel und Unterschenkel haben diese Strukturen eine Schutz- beziehungsweise Pufferfunktion. Es gibt viele unterschiedliche Einrissformen. Den Längsriss, Querriss oder auch einen Korbhenkelriss, bei dem ein Teil des kaputten Meniskus im Gelenk eingeschlagen ist. Der Patient hat starke Schmerzen, kann das Knie nicht vollständig bewegen und muss humpeln. Am häufigsten ist der Innenmeniskus verletzt.

Einrisse des Meniskus entstehen durch plötzlich starke Drehungen und Druckbelastungen im Kniegelenk. Es entsteht ein Schmerz, der Patient hat häufig ein humpelndes Gangbild. Manchmal wird das Knie auch zunehmend dicker. Es entsteht ein Erguss im Kniegelenk. Nach ausführlicher Untersuchung des Knies (Prüfung der Meniskuszeichen) wird häufig anschließend ein MRT (Kernspintomogramm) durchgeführt.

Unter Würdigung der klinischen Untersuchung und des MRT-Ergebnises stellt sich dann die Frage nach der Therapie. Diese hängt auch von den Beschwerden des Patienten ab. Kann der Patient nicht mehr laufen, humpelt und hat erhebliche Schmerzen (wie beim Korbhenkelriss), muss operiert werden. Dabei wird bei einer Arthroskopie der zerrissene Anteil des Meniskus entfernt. Die Operation dauert ca. 30 Minuten. Nach der Operation wird Krankengymnastik gemacht, eine Belastung ist möglich, und häufig kann der Patient nach einer Woche wieder normal gehen.

Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.
Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.Foto: promo

Ist der Meniskusriss sehr basisnah, kann der Einriss auch genäht werden. Die Rehabilitation dauert länger, weil die Naht zusammenwachsen muss. Der Vorteil ist, dass der Meniskus erhalten bleibt und die Pufferfunktion das Kniegelenk vor einer schneller einsetzenden Arthrose schützt.

Bei früheren Operationen (es gab noch keine Arthroskopie, wo nur die zerstörte Meniskusstruktur entfernt wurde) wurde bei Meniskusverletzungen das Gelenk aufgemacht und der fast komplette Meniskus entfernt. Die Folge war eine viel früher einsetzende Arthrose des Kniegelenks. Aber nicht jeder Meniskusriss muss operiert werden. Es gibt Sportler und Nichtsportler, die mit einem Meniskusriss Sport treiben und damit auch Fußball spielen können. Und das ohne Schmerzen und mit voller Leistung.

Man kann davon ausgehen, dass unsere Bundeskanzlerin Knieschmerzen hatte, sonst hätte sie den Eingriff nicht vornehmen lassen. Am Sonntag eröffnete sie aber wie geplant die Hannover-Messe, auf einen Rundgang am Montag wird sie aber verzichten. Und wie zu erfahren war, sind auch Merkels Pläne für den Osterurlaub nicht gefährdet. Die Kanzlerin wandert gern in den Bergen. Das wird schon wieder.

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