Kolumne zu Sportverletzungen : Dr. Dollas Diagnose (9)

Einst behandelte der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla die Spieler von Hertha BSC, für uns schreibt er seine Kolumne "Dr. Dollas Diagnose". In der aktuellen Folge geht es um Trainerentlassungen und die Psychologie, die angeblich dahinter steckt.

Dr. Thorsten Dolla
Christoph Daum gilt als großer Motivator. Mit seinem neuen Klub Eintracht Frankfurt konnte der Trainer aber dennoch bislang keinen Sieg feiern.
Christoph Daum gilt als großer Motivator. Mit seinem neuen Klub Eintracht Frankfurt konnte der Trainer aber dennoch bislang keinen...Foto: dapd

Die Fußballsaison neigt sich dem Ende. Die Meisterschaft ist offener denn je, auch im Abstiegskampf gibt es Bewegung. Die Angst vor dem Versagen, oben wie unten, wird größer. In dieser Saison haben so viele Vereine ihre Trainer getauscht wie noch nie in der Geschichte der Bundesliga. Doch wird es dadurch besser? 

Ein neuer Trainer ist keine Garantie für Erfolg. Wäre dann Fußball nicht zu einfach? 

Bundesliga-Trainer auf dem Schleudersitz
Eintracht Frankfurt: Der Zeitpunkt überraschte ein bisschen, obwohl in dieser Liga eigentlich nichts mehr überrascht. Michael Skibbe (l.) feierte am 27. Spieltag den ersten Rückrundensieg mit der Eintracht und muss danach trotzdem gehen. Seit 1. Juli 2009 war er Trainer bei den Hessen und schien dort einen sicheren Job unter dem nicht als feuerwütig bekannten Vorstandschef Heribert Bruchhagen zu besitzen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, denn mit der Verpflichtung von Christoph Daum (r.) sorgten die Frankfurter für die nächste Trainersensation der Saison. Danach gewann Frankfurt allerdings kein einziges Spiel mehr, stieg ab - und Christoph Daum verließ die Eintracht wieder, nach nur 55 Tagen im Amt.Weitere Bilder anzeigen
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16.05.2011 14:35Eintracht Frankfurt: Der Zeitpunkt überraschte ein bisschen, obwohl in dieser Liga eigentlich nichts mehr überrascht. Michael...

Hinter jedem Erfolg einer Mannschaft steht eine Strategie, oder besser ein Konzept vom Management des Vereins. Am Beginn einer Saison haben Manager und Trainer die Mannschaft zusammengestellt. Das Präsidium hat die finanziellen Rahmenbedingungen vorgegeben. Das Trainerteam nutzt die Saisonvorbereitung, um die Mannschaft optimal einzustellen. Die Spieler müssen fit sein. Es wird nicht nur die Ausdauer und Kraft trainiert. Vielmehr auch die Koordination und besonders die Schnelligkeit. Natürlich wird auch Fußball trainiert. Es wird in aller Regel eine Spielphilosophie vom Trainer vorgegeben. Einzelgespräche werden geführt, Vertrauen wird aufgebaut. Man lernt sich näher kennen. 

Wie die vergangenen Wochen gezeigt haben, muss ein Trainerwechsel nicht automatisch Erfolg bedeuten. Es heißt, ein neuer Trainer bringt einen neuen Motivationsschub. Der Verein, der bei Misserfolg unter Druck steht, hofft auf einen psychologischen Effekt. Es kommt ein frischer Wind rein, der neue Trainer hat eine andere Ansprache, setzt neue Reize. Die Blockaden der Spieler sollen gelöst werden. Jens Lehmann hat einmal über den Stuttgarter Trainer Christian Gross gesagt: "Er hat offensichtlich eine neue Magie entfacht". 

Oft wird in der Öffentlichkeit diskutiert, ob hoch bezahlte Kicker noch motiviert werden müssen? Geht es doch besonders zum Ende der Bundesligasaison für den Verein nicht nur um den Verbleib in der Bundesliga, sondern auch um Arbeitsplätze im Verein. Bei einem Trainerwechsel kennt der Trainer häufig die Mannschaft nicht ausreichend gut. Der Trainer muss die Spieler wieder zu einer Gemeinschaft zusammen bringen. Spieler, die bis dahin nicht gespielt haben, bekommen wieder eine neue Chance. Der Trainer erklärt sein Konzept. Die Fitness kann nicht mehr neu trainiert werden. Durch Veränderung des Trainingsprogramms wird die Trainingseinheit verändert. 

Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.
Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.Foto: promo

Vielleicht wird noch mehr Wert auf die Schnelligkeit gelegt. Es werden neue regenerative Maßnahmen durchgeführt. Ein Mannschaftsabend soll neuen Zusammenhalt geben. Gern wird vom neuen Trainer ein Acht-Stunden-Tag eingeführt. Beginnend mit einem gemeinsamen Frühstück um 8.30 Uhr wird anschließend trainiert. Dann Mittagessen mit folgender Mittagspause, Behandlung, und abschließend Durchführung der zweiten Trainingseinheit am Nachmittag. Die Mannschaft kann so mehr zusammen sein, das Essen ist sportlergerecht, medizinische Behandlungen und Regenerationsmaßnahmen können besser gesteuert werden. 

Trainerentlassungen dienen häufig nur der Beruhigung der unzufriedenen Fans und der Medien. Es gibt wissenschaftliche Studien aus der Sportpsychologie die zu dem Schluss kommen, dass Trainerentlassungen keinen Einfluss auf die nachfolgenden Ergebnisse haben. Rettungen sind Glückssache. Aus sportmedizinischer Sicht verspricht ein langfristiges Konzept mehr Erfolg.  

In vier Wochen wissen wir mehr. Dann haben mindestens zwei Vereine den Abstieg aus der Bundesliga nicht verhindern können. Wir Berliner dürfen uns hingegen über den Aufstieg von Hertha BSC und den Zweitligaverbleib des 1. FC Union freuen. Beide Vereine benötigen bestimmt keine neuen Trainer.

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