Gesundheit : Kommentar: Gefährliche Stoffe in alten Schläuchen

Thomas De Padova

Die Softeismaschine im Café Venezia war berüchtigt. Nicht nur, weil ein derartiges Gerät in dem italienischen Eissalon neben Stracciatella-Kübeln fehl am Platze schien. Das Softeis war aus anderem Grunde tabu. In den offensichtlich nur selten gereinigten, milchverklebten Schläuchen des Gerätes wähnte die Mutter meiner Freundin Heere von Bakterien. Und in böser Vorausahnung einer ausbrechenden Infektion versuchte sie daher ein ums andere Mal, die Wünsche ihre Tochter vom Softweis weg und hinüber zu den Stracciatella-Kübeln zu ziehen.

Gefahren können versteckt sein. Und wenn es um die Gesundheit der Kinder geht, erkennen Eltern auch solche versteckten Gefahrenquellen. Eine hochwertige Kindernahrung - schon lange ein großer Markt für Bioprodukte - ist uns wichtiger als die eigene Kost. Wenn es um Rinderfutter geht oder um technische Abläufe in der Industrie, sind wir nicht so findig.

"Kein neuer Wein in alten Schläuchen!" Die Worte aus dem Neuen Testament sollten uns in diesen Tagen eine Warnung sein. Das Tiermehl, das für die Übertragung von BSE auf Rinder ursächlich sein könnte, fand sich in solch alten Schläuchen. In Anlagen, in denen man zunächst Tierkadaver verarbeitet und danach pflanzliche Stoffe zu Kraftfutter zerschreddert hatte. Auch wenn wir nicht sicher wissen, ob dies der gesuchte Übertragungsweg ist: Es ist einer, der bei entsprechender Vorsorge hätte ausgeschlossen werden können.

Ähnlich verhält es sich beim Plutonium. Forscher der Vereinten Nationen sind dem US-Militär in diesem Falle auf die Schliche gekommen. Wie die Amerikaner inzwischen zugegeben und selbst schon vor ein paar Jahren festgestellt haben, ist das Plutonium wohl deshalb in die Munition und die Panzerung von Fahrzeugen geraten, weil man zur Waffenherstellung dieselben Anlagen und Werkzeuge benutzte, die zuvor schmutzigeren Geschäften gedient hatten: In drei kontaminierten Fabriken in Kentucky, Tennessee und Ohio war früher Uran wiederaufbereitet worden. Und so gelangte neben Uran-236, jenem verräterischen Stoff, der die UN-Forscher erst auf die Spur brachte, vermutlich auch Plutonium in Umlauf.

Wie die Amerikaner bekräftigen und deutsche Forscher vorläufig bestätigen konnten, handelt es sich zwar um so kleine Mengen, dass die Gesundheit der Bevölkerung im Kosovo und der dort eingesetzten Soldaten nicht durch Plutonium gefährdet war. Trotzdem sollten Konsequenzen aus der Affäre gezogen werden.

Unter anderem müssen wir das Bewusstsein dafür schärfen, dass die moderne Technik und die industrielle Fertigung gefährlichen Stoffen Verbreitungswege ebnen, wie sie heimtückischer mitunter kaum sein könnten. Wir müssen lernen, Detektive zu sein.

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