Gesundheit : Kommt gern auch auf höherer Ebene vor - der Ruf nach Restriktionen aber geht ins Leere (Kommentar)

Bodo Mrozek

Der akademische Betrug hat viele Gesichter. Denn das Schummeln ist durchaus keine Domäne fauler Studenten. Auch auf höherer Ebene hat man so seine Methoden: Manche Professoren lassen sich ganze Passagen in ihren Arbeiten von "Ghostwritern" schreiben. Nur, dass diese Ghostwriter mit Uni-Geldern finanziert und wissenschaftliche Hilfskräfte genannt werden. In der Veröffentlichung werden sie später mit keinem Wort erwähnt. Keine Seltenheit sind auch Doktor- oder Magistereltern, die Gedanken und Ideen ihrer Schüler in eigenen Überblickswerken und Aufsätzen verbraten oder in Projekten ausschlachten. Im harten Wettbewerb um das Ansehen in der scientific community versuchen sich viele Professoren mit fremden Federn zu schmücken: Wenn die Kollegen nur staunen und Projektgelder fließen, ist die Berufsehre egal. Und erst recht egal ist das Vertrauen, das ein Schüler in seine Lehrer gesetzt hat.

Schließlich ist mit einem öffentlichen Aufschrei des Beklauten kaum zu rechnen. Bestenfalls wird er vor seinen Freunden und Kommilitonen motzen. Denn in deutschen Universitäten herrscht allzu oft das paternalistische Prinzip Abhängigkeit. Wer will es sich schon mit seinem Gutachter verderben? Verglichen mit derartig unmoralischen Methoden nimmt sich der Spickzettel in der Sprachklausur harmlos aus, auch wenn Mogeln sicher ein Problem ist.

Der Ruf nach Restriktionen geht aber ins Leere. Das Schummeln ist so alt wie die Prüfung selbst. Stärkere Kontrollen bringen nur raffiniertere Betrugsmethoden hervor. Solange die Universität sich der Fiktion hingibt, sie würde ausschließlich für die Wissenschaft ausbilden, wird sie damit leben müssen, dass die Mehrheit der Studenten, die außerwissenschaftliche Berufsziele verfolgt, ihr Studium mit geringstmöglichem Aufwand hinter sich zu bringen sucht. Für einige Wenige ist Schummeln dabei der schnellste Weg, den Abschluss zu erhalten, den der Arbeitgeber nun mal verlangt.

Dabei gäbe es, anders als bei betrügenden Professoren, ein wirksames Mittel gegen den Betrug der Studenten: wirkliche Betreuung. Der Prüfer, der sich um seine Kandidaten kümmert, der Exposés liest und ausführliche Gespräche mit seinem Schüler führt, merkt viel eher, wenn die Arbeit aus fremder Feder stammt. Solange aber wegen Überlastung der Dozenten oftmals nicht einmal Hausarbeiten besprochen werden und Studenten im wesentlichen auf sich selbst gestellt sind, werden Ghostwriting und Spickzettel weiter Konjunktur haben. Und manchen Schummlern kann man das kaum verdenken.

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