Gesundheit : Kompetenzzentren bündeln Wissenschaft und Wirtschaft: Auf dem Weg in die Champions League

Detlef Ganten

In Berlin soll die Wissenschaft zum Motor für die Wirtschaft werden - jedenfalls wenn es um neue Arbeitsplätze geht. Um das der Öffentlichkeit zu verdeutlichen und auch in Senat und Abgeordnetenhaus für eine entsprechende Priorität zu sorgen, haben sich Wissenschaft und Wirtschaft in einer Partnerschaft zusammengefunden. In sechs Kompetenzzentren soll die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft besonders erfolgversprechend sein. Wir stellen sie in den kommenden Wochen vor. (Die Red.)

Als man in Deutschland Anfang der 90er Jahre - also mehr als 10 Jahre später als in den USA und England - begriff, welches Potenzial in der Biotechnologie liegt, waren die Voraussetzungen schlecht. Wegen der unerfreulichen Rahmenbedingungen in Deutschland zog es etliche Unternehmen und viele junge Wissenschaftler ins Ausland. Eine Wende brachte der BioRegio Wettbewerb des Bundeswissenschaftsministeriums. Drei Regionen wurden ausgezeichnet, aber alle Teilnehmer haben davon profitiert: besonders Berlin-Brandenburg. Es wurde erkannt, dass beide Länder nur als gemeinsame Region stark sind.

Folgerichtig wurde das länderübergreifende Aktionszentrum BioTOP gegründet. Biotechnologie wurde zur Chefsache gemacht, indem die regionale Entwicklung regelmäßig in Strategiekreisen unter Leitung des Regierenden Bürgermeisters und des Ministerpräsidenten von Brandenburg koordiniert wird. Zur Förderung von Gründungsaktivitäten wurden sechs themenspezifische Gründerzentren und Biotechnologieparks in Buch und Golm eingerichtet. Es wurde erkannt, dass es keinen Sinn macht, internationalen Trends nachzulaufen. Stattdessen wurde die regionale Vernetzung forciert und es wurden spezifische inhaltliche Schwerpunkte gesetzt.

Diese Maßnahmen zeigen Erfolge. Berlin-Brandenburg konkurriert mit den Regionen München und Heidelberg um die nationale Spitzenposition in der Biotechnologie. Gemessen an der Zahl der Unternehmen ist die Region Berlin-Brandenburg bereits jetzt mit rund 150 Biotechnologieunternehmen in Deutschland Spitze. Insgesamt sind hier fast 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Zwar sind noch 60 Prozent der Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern klein, aber seit etwa zwei Jahren ist eine deutliche Stabilisierung der jungen Branche festzustellen. So sind mit der co.don AG, Eckert und Ziegler AG und der Mologen die ersten Unternehmen an der Börse notiert. Einige Unternehmen wie Eckert und Ziegler AG und Epigenomics sind dadurch gewachsen, dass sie ihre Konkurrenz in USA gekauft haben.

Die öffentlich geförderten Biotechnologieparks haben sich bewährt. In Buch, Golm, Luckenwalde und Henningsdorf haben sich etwa 50 Prozent der Biotechnologieunternehmen angesiedelt. Diese Parks sind zu mehr als 95 Prozent belegt, der Raumbedarf der Unternehmen kann nicht mehr ausreichend befriedigt werden.

Die Weichen für die weitere Entwicklung des Standorts Buch wurden kürzlich vom Land Berlin gestellt, so dass hier in den nächsten Jahren ein Biotechnologiestandort von Weltgeltung entstehen kann - in Verbindung von Wissenschaft und Klinik mit über 100 Hektar Entwicklungsfläche. Das wissenschaftliche Potenzial ist die wahre Stärke der Region.

Das biotechnologische Kompetenzzentrum Berlin-Brandenburg basiert in erster Linie auf der Qualität der Wissenschaft. Die Region weist mit mehr als 200 Arbeitsgruppen und mehr als 5000 Mitarbeitern die größte Forschungsdichte Deutschlands auf. Neben den Universitäten hat die Region eine hohe Zahl international renommierter Forschungseinrichtungen mit einem Fokus auf der Biotechnologie, darunter Max-Planck Institute, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, das Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) Berlin-Buch und das Deutsche Herzzentrum. Die hohe Dichte klinischer Forschungseinrichtungen hat sich positiv auf die Entwicklung der Biotechnologie ausgewirkt.

Mehr als 40 Prozent der Unternehmen in der Region sind unmittelbare Ausgründungen aus Forschungsinstituten! Obwohl die Wissenschaft in der Region auf verschiedene Standorte verteilt ist, wird eine deutliche Profilierung erkennbar. Am Standort Buch hat sich ein Schwerpunkt der molekularen Medizin gebildet. Dahlem gilt als Schwerpunkt der Genomforschung, und Potsdam-Golm entwickelt sich zu Deutschlands wichtigstem Standort für die grüne Biotechnologie.

In den letzten Jahren wurden mehr als 5000 Arbeitsplätze im Bereich der Biotechnologie geschaffen und mehr als 300 Millionen Mark an überregionalen Forschungsmitteln eingeworben. Hinzu kommen direkte Finanzierungen des Bundes für die zahlreichen Forschungsinstitute in der Region. Gleichzeitig haben die Unternehmen Wagnis-Kapital in dreistelliger Millionenhöhe akquiriert. Schon heute leben mehr als 10 000 Menschen in Berlin-Brandenburg von der Biotechnologie. Diese Zahl kann bis zum Jahr 2010 mehr als verdreifacht werden, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, um den Anschluss an die international führenden Biotechnologiezentren zu erzielen.

In Berlin als "Stadt des Wissens" soll die Biotechnologie ein wichtiger Wachstumsmotor für die Wissenschaft und Wirtschaft sein.

Der Autor gehört zum wissenschaftlichen Stiftungsvorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und ist Professor am Universitätsklinikum Benjamin Franklin, Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie

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