Gesundheit : Konferenz Europäischer Medizinstudenten: Im Mittelpunkt: Der kranke Mensch

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An der Berliner Charité diskutieren seit gestern die vielversprechendsten Medizinstudenten aus 25 europäischen Ländern ihre aktuellen Forschungsprojekte. Jeder der 263 Teilnehmer hat einen Vortrag oder ein Poster dabei, mit dem er den Kommilitonen seines Fachgebietes die eigenen Erkenntnisse, etwa über die "Genetische Veranlagung von Uterus-Krebs", die "Reizung der Lippen durch metereologische Faktoren" oder über "Typische und untypische Lokalisierung von Basal-Zell-Karzinomen" präsentiert.

Bevor sich die Ärzte und Forscher von Morgen jedoch ganz in ihre Fachgebiete vertiefen konnten, versuchte ihnen ein Altmeister ihrer Wissenschaft soziale Dimension und die Dillemata moderner Medizin vor Augen zu führen. Der Schweizer Professor für Innere Medizin Walter Siegenthaler, der die Festrede zur Eröffnung der Konferenz hielt, kritisierte vor allem, dass seiner Wissenschaft die Balance zwischen Generalismus und Spezialisierung verloren gegangen sei. Zuviele Mediziner verstünden den Menschen nicht als Ganzen, sondern als Versammlung verschiedener Organe. Darüber hinaus sei die emotionale Intelligenz in Arztpraxen unterentwickelt: "Es muss wieder gelernt werden, dass Gegenstand des Arzt-Berufes nicht Krankheiten, sondern kranke Menschen sind."

Der Grundstein zur aktuellen Fehlentwicklung, so Siegenthaler, würde schon in der Universität gelegt, wenn nicht Professoren lehrten, die den Menschen in den Mittelpunkt stellten. Später würde diese Entwicklung verstärkt: Durch ein Honorarsystem, das dem Arzt nicht erlaube, einen ausreichenden persönlichen Kontakt zum Patienten aufzubauen.

Die Europäische Studenten-Konferenz der medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität kann auf eine mittlerweile elfjährige Tradition zurückblicken. Sie fand erstmals 1989 statt, und versteht sich auch als Brücke zwischen Westeuropa und den osteuropäischen Ländern, aus denen in diesem Jahr zwei Drittel der Teilnehmer kommen.

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