Gesundheit : Kooperation ja, Fusion nein

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

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Wenn es um die Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Universitäten und um den Anschluss an die Spitzenforschung geht, wird immer wieder vorgeschlagen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie die Institute der Max-Planck-Gesellschaft, die Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft und die Organisationen der Leibniz-Gemeinschaft in die Universitäten zu integrieren. Bei der letzten Gruppe mag man in dem einen oder anderen Fall darüber streiten, weil die Zusammensetzung nicht frei von Zufälligkeiten ist. Für die Arbeit von MPG und Helmholtz wäre es kontraproduktiv.

Keine Frage ist, dass die Kooperation zwischen Universitäten und außeruniversitären Forschungsinstituten so intensiv wie möglich gestaltet werden sollte. Dass dies auch erfolgreich praktiziert wird, beweist nicht zuletzt der laufende Elitewettbewerb. Manch ein Forschungscluster und etliche Graduiertenschulen verdanken ihre positive Bewertung der Zusammenarbeit mit Einrichtungen, die außerhalb der Universitäten bestehen. Die außeruniversitären Institute hätten wohl kaum das ihnen heute bescheinigte Niveau, wenn sie womöglich in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in die Universitäten eingegliedert worden wären. Dann wäre ihnen nämlich das Schicksal derselben nicht erspart geblieben, sich ständig mit neuen Rahmenbedingungen und Vorgaben auseinandersetzen zu müssen. Darunter haben die Universitäten gelitten; das hat dazu geführt, dass ihnen heute Defizite vorgehalten werden.

Und auch für die Zukunft sollte man die außeruniversitären Einrichtungen davor bewahren, unter die Fuchtel der Landesgesetzgeber zu geraten. Die Föderalismusdebatte hat dazu geführt, dass die Länder die fast unumschränkte Zuständigkeit für die Hochschulen haben. Würden die derzeitig selbständigen Einrichtungen in die Universitäten integriert, unterlägen sie voll den jeweiligen landesrechtlichen Regelungen. Zwar sind Unsinnigkeiten, wie sie die Hochschulreform teilweise hervorgebracht hat, aktuell nicht zu befürchten. Aber allein die dann 16 verschiedenen Landesgesetze wären verwirrend und sicher nicht stimulierend. Das jetzt geschlossene Dach von MPG und Helmholtz hätte dann 16 unterschiedlich große Dachluken, durch die es auch schon mal hineinregnen kann. Also: Kooperation ja, Eingemeindung nein.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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