Gesundheit : Krebs und Ernährung: Absage an spezielle Diät

Adelheid Müller-Lissner

Kann man mit richtiger Ernährung das Krebsrisiko verringern? "Das Problem ist kompliziert, aber Sie wollen eine einfache Botschaft hören." Was der Würzburger Magen-Darm-Spezialist Wolfgang Scheppach während des Kongresses "Krebs und Ernährung" den Medienvertretern entgegenhielt, gilt sicher nicht nur für sie: Krebs ist eine ernste Bedrohung, und ob man sie durch geeignete Ernährung abwenden kann, interessiert allgemein.

Beim Kongress, zu dem sich etwa 700 Ärzte, Ernährungswissenschaftler, Diätassistenten und Pflegekräfte am letzten Freitag in Berlin trafen, bemühte man sich um differenzierte Antworten. Da gibt es zunächst einige ganz klare Botschaften: Christiane Bode von der Universität Hohenheim machte zum Beispiel darauf aufmerksam, dass schon ein täglicher Alkoholkonsum von 20 bis 40 Gramm - also schon das "Viertele" Wein oder ein halber Liter Bier - das Risiko, an Krebs im Mund-Rachen-Raum oder der Speiseröhre zu erkranken, um ein Drittel oder sogar um die Hälfte erhöht. Auch für Brust- und Enddarmkrebs gibt es solche Hinweise.

Insgesamt gibt es bei der Risikoreduzierung also doch ein paar klare Botschaften, die Scheppach zusammenfasste: Meide Übergewicht und Bewegungsmangel, iss viel Obst und Gemüse, meide Nikotin und trinke wenig Alkohol! Auch Fleisch von Schwein, Rind und Schaf sollte nur in Maßen genossen werden - höchstens 120 Gramm am Tag. Vegetarier leben gesünder, doch das liegt nach übereinstimmender Ansicht der Experten nicht am Fleisch, das sie ganz weglassen, sondern an ihrem insgesamt gesünderen Lebensstil.

Bei der Frage, wie einzelne Nahrungsbestandteile oder ihre Kombination genau zur Krebsentstehung beitragen oder davor schützen, tappt die Forschung aber noch weitgehend im Dunkeln. Hans-Rudolf Glatt vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke erläuterte: Substanzen können direkt in die Erbsubstanz eingreifen, Reparaturvorgänge im Bereich der Zellen können beeinflusst werden, Unausgewogenheiten im Stoffwechsel können die Zelle entgleisen lassen.

Auch noch so "vorschriftsmäßige" Ernährung kann aber das Risiko, an Krebs zu erkranken, allenfalls vermindern. Das Versprechen, ihn im Ernstfall mit einer "Krebsdiät" heilen zu können, kann niemand halten. Wer zusätzlich zur Therapie etwas tun möchte, sollte sich, wie Reinhard Imoberdorf vom Kantonsspital Winterthur erklärte, an die allgemeinen Tipps zur gesunden Ernährung halten. Drastische Hungerkuren dagegen schaden dem Patienten, nicht dem Tumor: Dessen Wachstum wird in der "Auffütterungsphase" danach eher beschleunigt.

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