Gesundheit : Krebsforschung: Ein weiterer Schritt zur Früherkennung

Manuela Röver

Wissenschaftler der Freien Universität (FU) Berlin verkündeten gestern eine "Ehestiftung" der besonderen Art: Die amerikanische Stiftung für Krebsforschung (National Foundation for Cancer Research, NFCR) und die FU Berlin gründen gemeinsam ein neues Krebsforschungszentrum. Das Berliner Zentrum soll in erster Linie erforschen, inwieweit Ergebnisse der RNS-Technologie für die Krebsforschung nutzbar gemacht werden können. Die Ribonukleinsäuren (RNS) gehören neben der Erbsubstanz DNS zu den wichtigsten Nukleinsäuren und kommen in jeder Zelle reichlich vor; sie spielen eine wichtige Rolle bei der Eiweißsynthese.

Das NFCR ist eine gemeinnützige Organisation, die Grundlagenforschung zur Krebstherapie unterstützt. Seit 1973 hat die Organisation, die in den USA von Biotechnologie- Unternehmen und Privatleuten gegründet wurde, über 170 Millionen US-Dollar für insgesamt sechs NFCR-Zentren zur Verfügung gestellt. "Wir evaluieren ständig die Aktivitäten von Biowissenschaftlern rund um die Welt", erklärt Lorie Karnath vom NFCR. "Und als bei uns die Nachfrage nach Top-Wissenschaftlern aus dem Bereich der RNS-Technologie groß war, kam für uns nur Professor Erdmann in Frage."

Volker Erdmann vom Institut für Biochemie der FU Berlin wird das neuen NFCR-Zentrum künftig leiten. "Jeder Dollar, den wir vom NFCR bekommen ist für uns das fünffache wert, weil wir die finanziellen Mittel vollkommen frei einsetzen können", freut sich Erdmann. "Anders als bei Bundesforschungsmitteln müssen wir nicht riesig lange Anträge schreiben. Man ist nicht an ein enges Forschungsprogramm gebunden und kann auch mal gewagte Experimente machen."

Initiiert wurde das Forschungszentrum vom Industrial Investment Council (IIC). Es wurde 1996 von der Bundesregierung und den neuen Ländern mit dem Ziel gegründet, ausländische Investitionen in Ostdeutschland zu erleichtern. "Das deutsche Stiftungswesen kann von der Liberalität der Amerikaner eine ganze Menge lernen", sagt Hans-Christoph von Rohr vom IIC. Das Berliner Zentrum wird eng mit den anderen NFCR-Zentren in Oxford, Harvard, Berkeley und Yale zusammenarbeiten. "Wir wollen zunächst gemeinsame Berührungspunkte suchen und das internationale Forschungsnetzwerk dann weiter ausbauen", beschreibt Volker Erdmann die nächsten Schritte. "Wir sind keine Tumor-Fachleute sondern RNS-Experten. Wir stellen unsere Technik den Krebsforschern zur Verfügung." Von den Synergieeffekten versprechen sich die Wissenschaftler neue Behandlungsmethoden für alle Arten von Krebs.

Die Berliner beherrschen beispielsweise eine Methode, mit der Krebs künftig schon in einem sehr frühen Stadium erkannt werden soll. "Wir nutzen dabei RNS-Moleküle, die in Analogie zu Antikörpern, bestimmte Zielmoleküle finden können", erklärt Erdmann. Diese "Fahndungsmoleküle" statten die Biochemiker mit fluoreszierenden Bausteinen aus, mit deren Hilfe sie sehen können, wo Tumorwachstumsfaktoren gebildet werden. In einem anderen Verfahren versuchen die Wissenschaftler mit "molekularen Scheren", den Ribozymen, Teile in der Zelle zu zerstören, die für die Tumorbildung verantwortlich sind. "Prinzipiell funktioniert das schon", sagt Erdmann. "Wir haben aber noch Probleme, die Moleküle in der Zelle an den Ort zu bringen, wo sie ihre Arbeit machen sollen."

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