Gesundheit : Kritik am Wissenschaftsrat: Gewerkschaften für Erhalt der Kuratorien

Heiko Schwarzburger

Die Gewerkschaften haben das Gutachten zur Zukunft der Berliner Hochschulen scharf kritisiert, das der Wissenschaftsrat kürzlich vorgelegt hat. Vertreter der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Öffentliche Dienste (ÖTV) und des Berliner Landesbezirks des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) warnten davor, dass der Wissenschaftsrat wichtige Gremien zur Mitbestimmung an den Hochschulen abschaffen wolle. So könnten die Kuratorien und die ständigen Kommissionen für Lehre und Entwicklungsplanung bald durch so genannte Hochschulräte ersetzt werden, in denen externe Experten über die Profile der Universitäten und Fachhochschulen entscheiden. "Man sollte erst einmal abwarten, ob sich die gerade neu formierten Kuratorien bewähren", sagte Bernd Rissmann, der für den DGB seit zwei Jahren im neuen Kuratorium der Humboldt-Universität sitzt. Zur besseren Abstimmung der Hochschulen untereinander befürwortete er jedoch einen übergreifenden Landeshochschulrat, wie ihn der Wissenschaftsrat vorgeschlagen hatte. "Aber nicht nur mit Fachleuten von außerhalb besetzt", sagte er.

Die Gewerkschafts-Vertreter wandten sich auch gegen den Vorschlag des Wissenschaftsrates, die Lehrerausbildung an der Technischen Universität um 55 Professuren zu kürzen. "Im Jahr 2008 werden in Berlin rund 2500 bis 3000 Lehrer fehlen", prophezeite Norbert Konkol von der ÖTV. Er kritisierte Pläne, nach denen die Ausbildung von Grundschullehrern und Berufspädagogen von den Universitäten an die Fachhochschulen verlagert werden soll. "Das würde diese Studiengänge inhaltlich abqualifizieren", befürchtete Norbert Konkol.

Die Gewerkschaften unterstützten dagegen die Empfehlung des Wissenschaftsrates, die Investitionen für die Berliner Hochschulen schrittweise auf jährlich 250 Millionen Mark anzuheben. "Die im Haushalt 2000 vorgenommene Kürzung um 69 Millionen Mark muss rückgängig gemacht werden", forderten die Gewerkschafts-Vertreter. Damit sei die Kofinanzierung wichtiger Bund-Länder-Programme gefährdet. Langfristig müsse Berlin die Zahl der Studienplätze von derzeit 85 000 auf 100 000 ausbauen.

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