Gesundheit : Kritik an Professoren-Ranking

Datenschützer bemängeln Webseite, auf der Studenten ihre Dozenten benoten

Tilmann Warnecke

Der Berliner Datenschutzbeauftragte will gegen eine Internetseite vorgehen, auf der Studierende bundesweit ihre Dozenten mit Noten bewerten können. Wesentliche Funktionen müssten aus Datenschutzgründen geändert werden, sagt Anja–Maria Gardain, die Sprecherin des Datenschutzbeauftragten. Mehrere Professoren sowie die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen hätten Beschwerden gegen die Seite „MeinProf.de“ eingereicht, die seit Ende 2005 online ist. Falls die Seite nicht geändert werde, drohe den Betreibern – Studenten der Berliner Technischen Universität – ein Bußgeld von bis zu 250 000 Euro.

Auf der Seite können Studenten mit Noten von eins bis fünf bewerten, wie verständlich ihre Dozenten lehren, wie gut ihr Lehrmaterial und ihre Unterstützung sind oder auch, ob ihre Kurse Spaß machen. Wenn Dozenten mehr als 15 Bewertungen erhalten haben, erscheinen ihre Durchschnittsnoten in Top- und Flop-Listen mit den besten und schlechtesten Dozenten. Nach Angaben der Betreiber sind derzeit gut 24 000 Dozenten gerankt, 1590 davon in Berlin – ohne dass sie vorher davon in Kenntnis gesetzt wurden.

Die Dozenten müssten jedoch gefragt werden, ob sie sich benoten lassen wollen, sagt Gardain – sie müssten eine Aufnahme ins Ranking ablehnen können. Zudem müsse sichergestellt sein, dass „die Studenten, die Bewertungen abgeben, die betreffenden Kurse auch besucht haben“, sagt Gardain.

In der Tat hätten Studenten bereits versucht, die Noten einiger Dozenten zu manipulieren, indem sie mehrfach für denselben Professor abgestimmt hätten, gibt Thomas Metschke zu, einer der Betreiber der Seite. Auch hätten Dozenten versucht, sich selbst zu bewerten, um ihre Noten in die Höhe zu treiben. Diese Missbräuche seien aber aufgedeckt worden. Auch könnten Dozenten beantragen, dass Studenten sie nur benoten können, wenn sie vorher ein Passwort eingegeben haben. Die Passwörter könnten Dozenten in ihren Kursen an ihre Studenten verteilen. Jeden Dozenten vor der Aufnahme ins Ranking nach Erlaubnis zu fragen, lehnt Metschke wegen des großen organisatoschen Aufwandes ab. Bis Ende August müssen die Betreiber zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

Die Seite im Netz:

www.meinprof.de

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