Gesundheit : Künstlerische Stolpersteine an der Spree

THOMAS VOGT

Was haben das Rote Rathaus und ein gelber Baucontainer gemeinsam? Sie stehen momentan am selben Ort, und hier wie dort machen sich ihre "Bewohner" Gedanken darüber, wie der Platz vor ihrer Haustür, also zwischen Spree und Fernsehturm, in Zukunft genutzt werden soll."Der Senat erwägt für das Marx-Engels-Forum und den namenlosen Platz vor dem Roten Rathaus eine Bebauung.Wir aber wollen das Areal als innerstädtischen Freiraum bewahren", sagt Rainer Ernst, Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (KHB) und Leiter des studentischen Kunstprojekts "Drehort: Mitte".

Neun Studierende der Fachgebiete Architektur, Freie Kunst und Produkt-Design haben nun "künstlerische Stolpersteine" über den Platz verteilt.Dadurch wollen sie die Aufmerksamkeit der Passanten auf die Geschichte und die Struktur des Platzes lenken und einen Anstoß zum Nachdenken über die Zukunft des Ortes geben, erläutert Rainer Ernst den Zweck der Aktion.Kristallisationspunkt der angestrebten Diskussionen über die Nutzung des Areals ist ein Container an der Spandauer Straße / Ecke Karl-Liebknecht-Straße, vis-à-vis dem Roten Rathaus.

Klar, daß die Blechbox selbst auch Kunstobjekt ist."Wir bauen auf dem Dach gerade eine Lichtinstallation auf", sagt der Bildhauer Lukas Kühne und meint mit "wir" außer sich selbst noch Ingo Fröhlich und Christian Paschedag.Die drei Studenten zeichnen mit Neonröhren die Konturen des Blechklotzes nach und setzen Neonwürfel aufs Dach.Damit wollen sie auf ihr Domizil im Zentrum der Anlage aufmerksam machen, aber auch die Leuchtreklamen auf den Dächern der umliegenden Gebäude auf den Platz herunterholen.

"Mein Entwurf bezieht sich ganz auf das Marx-Engels-Forum", sagt die Bildhauerin Franziska Frey.Sie hat sich einen Tag lang zu Marx und Engels auf den Platz gesetzt und beobachtet, welcher der vier Asphaltwege, die auf die Plastik zuführen, von den Menschen am häufigsten benutzt wird.Auf diesen Weg hat sie dann ein niedriges, begehbares, weiß gestrichenes Podest gebaut.Dadurch bewege sich der Betrachter erhöht auf das Denkmal zu, wodurch seine Aufmerksamkeit auf die ganze Anlage gelenkt werde, meint Frey.Ihre Kommilitonin Britta Ruge weist den Metallstelen des Marx-Engels-Forums eine neue Funktion zu: Neben die bereits in die Stelen eingeätzten historischen Fotos klebte Ruge Buntfotos und kleine Spiegel, die die Umgebung des Platzes zeigen.Dadurch werde der Blick des Betrachters von den Stelen weg und zurück auf die rundum stehenden Gebäude gelenkt.

"Wichtig finde ich zu zeigen, daß das Marx-Engels-Forum und der Platz vor dem Roten Rathaus zusammengehören, obwohl sie durch die verkehrsreiche Spandauer Straße voneinander getrennt werden", erläutert Johanna Tiffe ihr Vorhaben.Sie will die beiden Plätze durch einen Zebrastreifen aus Rollrasen miteinander verbinden und hofft, daß die Polizei es doch noch erlaubt, die Straße für einen Tag zu sperren.

Die Architekturstudentin Kerstin Neugebauer hat ein bauliches Konzept für die Zukunft des Areals entwickelt, bei dem die Existenz der Spandauer Straße akzeptiert wird.Sie will die beiden Plätze stärker gegen den Straßenlärm abschotten, indem sie sie tiefer legt."Die Plätze ziehen sich gewissermaßen zurück", sagt Neugebauer.Zusätzlich sollten entlang der Spandauer Straße und der Karl-Liebknecht-Straße Wasserbecken angelegt werden, in denen abhängig vom Verkehrsaufkommen Fontänen und Kaskaden rauschen.Mit Hilfe von Sponsoren will Neugebauer in den nächsten Tagen exemplarisch ein Wasserbecken anlegen.

"Über die Einzelprojekte hinaus haben wir aber noch diverse Aktivitäten geplant", sagt Neugebauer.Die Studierenden wollen Referenten, zum Beispiel Städteplaner, einladen, Filme über das Marx Engels-Forum zeigen und für Mittwoch, den 24.Juni, 20 Uhr, ist eine Party rund um die gelbe "Infobox" geplant.Alle Termine werden täglich im Container ausgehängt.

Kernöffnungszeiten des Containers am Platz vor dem Roten Rathaus: bis 1.Juli täglich von 11 bis 16 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben