Gesundheit : Kunstherzpatient starb an starken Blutungen

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"AbioCor" ist so groß wie ein Tennisball, besteht aus Plastik und Titan, wird von einer Batterie angetrieben und ist nach den Worten des Herzchirurgen Roland Hetzer als "echtes künstliches Herz" eigentlich "der Traum aller Kunstherzentwickler". Im Rahmen einer klinischen Studie wurde es in den USA schon sechs Patienten eingesetzt. Für Laman A. Gray, der am Sonntag gemeinsam mit dem Direktor des Deutschen Herzzentrums über das neue System sprach, war das trotzdem nicht einfach. Denn kurz vor seiner Abreise gab es zwei herbe Niederlagen: Der sechste Empfänger ist letzte Woche während des Eingriffs an inneren Blutungen gestorben. Kurz darauf starb der erste Operierte, Monate nach dem Eingriff im Juli, an schweren Blutungen im Gewebe hinter den Verdauungsorganen. Zuvor hatte er einen Schlaganfall erlitten.

Wie Gray jetzt erklärte, gab es keine technischen Pannen mit dem System. Das zentrale medizinische Problem ist allerdings, dass der Kontakt der Materialoberfläche mit dem Blut des Patienten zur Bildung lebensgefährlicher Blutgerinnsel führen kann. Dagegen müssen gerinnungshemmende Mittel eingesetzt werden, die ihrerseits die Blutungsgefahr erhöhen. In manchen Fällen gibt es trotzdem kaum eine Alternative.

Heute stirbt ein Drittel aller Patienten, die noch auf der Warteliste für eine Transplantation stehen, an ihrer Herzkrankheit. Diese Not war es, die Berliner Herzspezialisten schon vor Jahren erfinderisch machte und ihren Blick auf künstliche Pumpen richtete, die den Kreislauf der Kranken unterstützen. Damit sollte zunächst wenigstens die Wartezeit überbrückt werden. Mittlerweile sind am Deutschen Herzzentrum in Berlin schon 613 Patienten mit den verschiedensten Ersatzsystemen behandelt worden.

Meist reicht es, wenn die künstliche Pumpe dem Herzmuskel einen Teil der Arbeit abnimmt, wie das LionHeart, ein voll implantierbares Unterstützungssystem. "Die verschiedenen Systeme haben ihre Berechtigung für ganz unterschiedliche Herzprobleme", sagt Gray. Berlin kann auf seine führende Rolle im Bereich der mechanischen Kreislauf-Unterstützungssysteme stolz sein, wie der ebenfalls aus den USA angereiste Grand Seigneur der Kunstherzen, Michael DeBakey, sagte.

Beim zweiten Internationalen Symposium zum Thema, das am Wochenende im Hotel Grand Hyatt stattfand, zeigte sich der neue Trend deutlich bei den anwesenden Trägern verschiedener Unterstützungssysteme: Die künstlichen Pumpen werden immer kleiner und immer leichter. Und sie sind dafür ausgelegt, auf Dauer in der Brust der Empfänger zu schlagen. Manchmal kann der letzte Rettungsanker aber auch vorübergehend sein: Dann erholt sich das eigene Herz eines Patienten, wenn es einige Zeit durch ein Überbrückungssystem entlastet wurde.

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