Gesundheit : Kurt-Weill-Festival: Entdeckung eines Musicals

Cordula Däuper

Die Hochschule der Künste feiert während des laufenden Semesters ihr 25-jähriges Bestehen. Und das begeht die Hochschule zunächst im Gedenken an einen der prominentesten ihrer früheren Schüler Kurt Weill. Als Kurt Weill noch der Hochschule verbunden war, hieß sie Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

Vom 8. bis 18. November findet das Kurt-Weill-Festival in den Räumen der HdK statt. Der Komponist steht in diesem Jahr ohnehin im Zeichen doppelten Gedenkens: Er wurde vor 100 Jahren in Dessau geboren und ist vor 50 Jahren in New York gestorben. Weills künstlerisches Schaffen wird im Spagat zwischen beiden Kontinenten in zwei unterschiedliche Phasen geteilt: Die erfolgreichen zwanziger Jahre in Berlin, geprägt durch die Zusammenarbeit mit Brecht, und die zweite Karriere in den USA, wo er nach erzwungener Emigration 1933 Erfolge mit seinen Broadway-Musicals feierte.

Der Schwerpunkt des Festivals liegt nun auf den Werken von Kurt Weill, die in seiner Berliner Zeit entstanden sind. Dabei ist es den Veranstaltern besonders wichtig, selten gespielte Werke, wie die Cellosonate von 1920 und die Streichquartette (Kammermusikabend am 11. November, 20 Uhr im Konzertsaal der Bundesallee), erklingen zu lassen. Gerade die Instrumentalwerke stellen Weill als eigenständigen Komponisten vor, der sonst so oft nur in Verbindung mit dem Wort, vor allem dem von Bert Brecht, in Verbindung gesetzt wird: Aber Weill ist eben nicht nur auf die "Dreigroschenoper" zu reduzieren.

Das Festival läßt in den nächsten zehn Tagen nicht nur Weill erklingen. Seine Arbeiten sollen auch in Beziehung zu Kompositionen seiner Zeitgenossen gesetzt werden. So bilden Werke von Hindemith, Schostakowitsch und Strawinsky (letzterer ist mit dem "Feuervogel" im Eröffnungskonzert vertreten, 8. November, 20 Uhr, Konzertsaal Hardenbergstraße) einen Gegenpol zur Musik Weills. Mit einem Potpourri unterschiedlicher Songs und Balladen widmet das "ensemble weil...& Guests" dem Vokalwerk Weills einen Konzertabend ("A Tribute To Kurt Weill", 12. November, 20 Uhr, Konzertsaal Hardenbergstraße). Sänger unterschiedlicher Generationen, von Altdiseuse Gisela May bis zur Nachwuchshoffnung Esther Kaiser, interpretieren hier die Highlights aus "Mahagonny Songspiel" "Happy End" und der "Dreigroschenoper".

Als Höhepunkt und aufwendigstes Projekt des Kurt-Weill-Festivals gilt die Aufführung des Musicals "Love Life" als Beispiel für die Kompositionen aus Weills Zeit in Amerika. Das Werk, 1948 am Broadway uraufgeführt, wurde in den letzten 50 Jahren "zu Unrecht", so Peter Kock, der szenische Leiter der Berliner Aufführung "nur sehr selten gespielt". In Deutschland kommt "Love Life" sogar erstmals auf die Bühne, in einer deutschen Übersetzung und einer neuen Bearbeitung - von den Machern bescheiden als "Try-out", als szenisch-konzertanter Workshop bezeichnet. Auf der Bühne stehen Studenten des dritten Studienjahres und Absolventen (Antje Rietz, Detlef Leistenschneider) des hausinternen Studiengangs Musical / Show; das Orchester des Theater des Westens spielt unter der Leitung von Stanley Walden (18. bis 20. November, jeweils 20 Uhr im Theater- und Probensaal der HdK, Fasanenstraße).

Ermöglicht werden konnte so ein reichhaltiges Festival-Programm mit namhaften Künstlern (Viviane Hagner spielt am 16. November, 20 Uhr Weills Konzert für Violine und Blasorchester von 1924, im Konzertsaal der Bundesallee) nur durch Kooperationen. Partner sind die Kurt Weill Foundation New York und die Kurt-Weill-Gesellschaft in Dessau sowie finanzstarke Sponsoren, wie die Stiftung der Deutschen Klassenlotterie Berlin. So ist der Eintritt für die meisten Veranstaltungen sogar frei!

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