Gesundheit : Kurz vor dem GAU

20 Jahre Forschungsstelle Umweltpolitik an der FU

Dagmar Dehmer

Drei Tage vor der Atomkatastrophe in Tschernobyl, am 23. April 1986, ist die Forschungsstelle für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin gegründet worden. Das erste große Projekt der Berliner Forscher war ein Gutachten zum Ausstieg aus der Atomenergie. Was mit einem historischen Zufall begann, ist in den vergangenen 20 Jahren zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Ein Beispiel: In ihrem Ausstiegsgutachten schlugen Gründungsdirektor Martin Jänicke und seine Kollegen vor, die Einspeisung von sauberem Strom aus erneuerbaren Energiequellen ins Netz mit festen Tarifen zu vergüten.

Fünf Jahre später wurde der Vorschlag in Deutschland Gesetz, und „inzwischen ist das Konzept ein Exportschlager“, sagte Jänicke. Eine Reihe europäischer Staaten haben die Einspeisevergütungen kopiert und erleben seither – wie Deutschland – einen Boom bei Wind- , Wasserkraft und Solarstrom. Wie die Gesetze in anderen Ländern wirken, ist auch einer der Forschungsgegenstände des FU-Instituts.

Bis heute ist das interdisziplinäre Universitäts-Institut einmalig in Europa. Die Forschungsstelle wuchs dank Drittmitteln von Institutionen wie den Vereinten Nationen (UN), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) oder auch wirtschaftsnaher Stiftungen auf mittlerweile 30 Mitarbeiter. Seit 1996 bietet das Institut einen Nebenfachstudiengang Umweltmanagement für Naturwissenschaftler an, seit 2002 einen Masterstudiengang – beide sind sehr gefragt.

Derzeit beschäftigt sich die Forschungsstelle mit vier großen Themen. Sie geht der Frage nach, welche Umweltpolitiken die erfolgreichsten sind und was Nationalstaaten von anderen darüber lernen können. Die ökologische Modernisierung ist seit Jahren ein Forschungsschwerpunkt, denn schon früh erkannten Jänicke und seine Mitstreiter Lutz Mez und Thomas Ranneberg, dass der Umwelt mit Technologien, die am Ende des Schornsteins ansetzen, nicht dauerhaft gedient ist. Nachhaltige Umweltpolitik muss an den Ursachen ansetzen, sagen die Wissenschaftler. Die Energie- und Klimapolitik gehören ebenfalls seit Jahren zu den Forschungsschwerpunkten der Berliner.

Gründungsdirektor Jänicke ist bei alledem voll engagiert – und hofft doch, dass er bald aufhören kann. Vor drei Jahren ging der Politikwissenschaftler offiziell in den Ruhestand und vertritt sich seitdem selbst. Jetzt sei eine renommierte Umweltforscherin aus den USA als seine Nachfolgerin im Gespräch, sagt Jänicke. Doch entschieden ist die Sache noch nicht.

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