Gesundheit : Kurzmeldungen

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Die Quadratur des Kreises ist offenbar doch möglich. Mit ihren Empfehlungen hat die Expertenkommission ein Kabinettstück wissenschaftlichpolitischen Consultings abgeliefert. Es ist ein Dokument, das in dieser Akzeptanzfähigkeit von den wenigsten erwartet worden war. Bei allen schmerzhaften Schritten zur Realisierung weist das Gutachten den Weg für eine qualitative Reorganisation der Berliner Hochschulmedizin.

Auch wenn die Berliner Politik den Experten-Empfehlungen bereits Beifall spendet, sei doch daran erinnert, dass der Auftrag dazu von uns, den Beschäftigten des UKBF, auf der Straße erkämpft werden musste. Die vom Senat geplante Aufgabe der Humanmedizin an der FU und des UKBF als wissenschaftlicher Standort löste einen Sturm der Entrüstung in und über Berlin hinaus aus. Die Einsetzung der Kommission, war der richtige Schritt, der die erhitzte Situation entspannte und den Reformprozess wieder in wissenschaftsgeleitete Bahnen lenkte.

Die vorliegenden Empfehlungen sind für eine zukunftsweisende Hochschulmedizin angemessen, weil sie primär die Forschungsleistung als entscheidendes Kriterium für Struktur und Finanzierung in den Mittelpunkt stellen. Es gibt bei der angedachten Lösung – der Errichtung eines universitätsübergreifenden „Zentrums Universitäre Medizin Berlin“ – keine wirklichen Gewinner und Verlierer. Alle Standorte werden durch Schwerpunkte gestärkt, müssen aber auch relativ gleichmäßig die Lasten tragen. So wird es auch am UKBF schmerzliche Einschnitte geben, die schwierige Jahre erwarten lassen. In den kommenden Monaten ist es nun vor allem erforderlich, dass die medizinischen Einrichtungen den engen Schulterschluss suchen. Unsere Zukunft liegt in der Gemeinsamkeit. Wir müssen unbedingt auf der Sachebene weiterarbeiten. Das UKBF ist jedenfalls zum konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten bereit. Die Einsparvorgaben und der Zeitplan zu ihrer Realisierung machen es erforderlich, dass wir alsbald unter den Betroffenen die Umsetzung des Gutachtens diskutieren müssen. Im engen Zusammenspiel zweier Universitäten und zweier Fakultäten muss eine Vielzahl von Fragen geklärt werden. Im Gegensatz zu anderen halte ich die Detailvorgaben des Gutachtens bis hin zur Ebene von einzelnen Abteilungen für sinnvoll. Die letzten Jahre haben schließlich gezeigt, dass die Berliner Universitätsmedizin aus eigener Kraft nicht dazu fähig war – was man selbstkritisch konstatieren muss. Es hat beispielsweise zu viele Doppel- und Dreifach-Berufungen gegeben, wie die Kommission zu Recht kritisiert hat.

Vor allem ist von großer Bedeutung, dass die Zeit der Unruhe und Unsicherheit ein Ende findet. Langfristige Planungssicherheit ist eine wichtige Voraussetzung für wissenschaftliche Leistungsfähigkeit. Wenn diese Ära in der Berliner Hochschulmedizin nun anbrechen sollte, werden alle ihren Nutzen davon haben.

Der Autor ist Dekan des Fachbereichs Humanmedizin am Franklin-Klinikum der FU

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