Gesundheit : Kurzmeldungen

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Den Hochschulen steht eine neue massenhafte Durchleuchtung nach Art der Reihenuntersuchung ins Haus. In den Koalitionsverhandlungen nämlich haben SPD und Grüne festgelegt, dass sie in den nächsten vier Jahren für eine Rangliste aller deutschen Universitäten und Fachhochschulen sorgen wollen. Das Ranking soll Forschung und Lehre umfassen. Vorausgehen soll eine Begutachtung aller 350 Hochschulen, um den Studenten eine verlässliche Entscheidungshilfe an die Hand zu geben.

Zum Thema Ranking ist im Laufe der Jahre viel Unsinniges geschrieben worden. Seit einiger Zeit befindet sich das Centrum für Hochschulentwicklung auf dem richtigen Weg. Die Grundlagen für eine Methode der Hochschulbewertung sind allerdings noch nicht so weit entwickelt, dass allseits anerkannte Resultate erwartet werden können. In den USA ist das nicht anders – entgegen einer weit verbreiteten Fehlmeinung. Auch dort ist das Ranking durchaus umstritten. Allerdings haben dort einzelne Fächer so etwas wie eine „Konvention“, wie zu verfahren und vor allem wie einzelne Ergebnisse zu gewichten sind.

Ein Fachbereich lässt sich sachgerecht nur beurteilen, wenn möglichst viele relevante Punkte bewertet werden, und zwar solche objektiver und subjektiver Art. Entsprechende Merkmale auszuloten, ist allerdings arbeits und zeitaufwändig. Am schwierigsten ist die Gewichtung der Kriterien. Daran kranken alle bisherigen „Hitlisten“ der deutschen Hochschulen. Eine „Verrechnung“ durch Gewichtung erweckt den Eindruck, als könnten überfüllte Hörsäle – und damit schlechte Studienbedingungen – durch attraktive Kneipen, als Freizeitwert einzuordnen - in der Bewertung der Hochschulen ausgeglichen werden. Allein die Frage nach dem Wohlbefinden der Studierenden an einer Massenuniversität führt regelmäßig zu einer schlechten Beurteilung; eine Befragung von Professoren über das Renommee von Universitäten ergibt ein überwiegend positives Zeugnis für die klassischen, sogenannten Traditions- (und Massen-)Universitäten.

Wenn Erhebungen zu entsprechenden Fragen in ihrem Ergebnis auf das beschränkt bleiben, was sie aussagen können, kann das hilfreich für persönliche Entscheidungen sein. Nur dürfen aus solchen Erkenntnissen keine allgemeinen Schlüsse auf die Qualität einer Fakultät oder womöglich sogar einer Hochschule insgesamt gezogen werden.

Sollen gültige Aussagen zustande kommen, muss ein möglichst breiter Ansatz gesucht werden. Aus der Summierung von Einzelaussagen lassen sich dann – jedenfalls in der Tendenz – Gesamtbewertungen der Fakultäten treffen. Es kommt letztlich nicht darauf an, ob eine Fakultät den 17. oder 18. Platz in einem Ranking einnimmt. Zufriedenstellend ist es schon, wenn man begründen kann, welche Fakultäten besonders gut, mittelmäßig oder weniger gut sind.

Das Vorhaben der Bundesregierung kann das erstrebte Ziel, eine verlässliche Grundlage für Studienentscheidungen zu bilden, kaum erreichen – auf jeden Fall nicht in kurzer Zeit. Das wirkt eher wie Aktionismus, weil man doch etwas für die Hochschulen tun muss. Ein einfacher Weg wäre es, die Mechanismen des Marktes gelten zu lassen. Wenn man die unsägliche ZVS abschaffen würde, einschließlich so bürokratischer Strangulierungen wie der Kapazitätsverordnung, und es den Hochschulen überließe, ihre Studenten auszuwählen. Dann würden sich schnell Urteile über die Qualität der Fakultäten entwickeln und mehr als bisher bekannt, wo welche Anforderungen gelten und für welche Kandidaten die Bewerbung aussichtsreich ist. So nämlich funktioniert das Ranking in den USA, das so gern als Beispiel gelobt wird. Also: nichts gegen Ranking, aber mehr für den Abbau von Bürokratie.

Der Autor war Präsident der Rektorenkonferenz und parteiloser Wissenschaftssenator in Berlin.

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