Gesundheit : Kurzmeldungen

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Für die Leistungsfähigkeit eines Hochschulsystems ist die Qualität des Bachelors entscheidend. Deutsche Hochschulen sind zu oft auf den Master fixiert und vernachlässigen den Bachelor. Der Bachelor lahmt, und das ist ein Alarmzeichen. Eine Reaktion nach dem Motto „Gut Ding will Weile haben“ wäre doppelt falsch. Andauernd rückständige Bildungssysteme haben Folgen; es wird bald allen schlechter gehen. Der deutsche Bachelor ist auch nicht durchweg ein „Gut Ding“, sondern gleicht zu oft mehr einem Zertifikat als einem akademischen Qualitätsabschluss. Erste internationale Rückmeldungen zeigen: Ein deutscher Bachelor light wird kein Exportschlager. Statt dessen sind Beschleunigung und klare Qualitätskonturen geboten. Verlässliche Maßstäbe dürfen nicht im BermudaDreieck von KMK-Beschlüssen, regionalen Politiken und Hochschulegoismen verschwinden.

Das neue zweistufige Bachelor-Master-System muss ein zukunftsgerechtes Qualitätsstudium für mehr Studenten als bisher ermöglichen. Dieses Qualitätsstudium sollte für anspruchsvolle berufliche Aufgaben befähigen. Keinen Sinn hat es, angelsächsische Muster zu kopieren, die Mehrzahl der Studenten auf wissenschaftsferne Kurzstudiengänge zu beschränken und die Wissenschaft wenigen vorzubehalten. Die Aufgabe ist anspruchsvoller und fordert von den Hochschulen neues Denken und anderes Gestalten.

Angelpunkt ist die Qualität des Bachelors. Vielfalt ist notwendig, studienorganisatorische und inhaltliche Beliebigkeit nicht tragbar. Ein verlässlicher und qualitätssichernder Organisationsrahmen für das Studium ist unverzichtbar. Dieser Rahmen sichert Studierbarkeit und schafft Raum für Initiative und Individualität. Das hat mit Verschulung nichts zu tun. Für die Studienzeit bis zum Bachelorgrad bietet der europäische Konsens von drei bis vier Jahren einen vernünftigen Rahmen. Er kann nur von denen als Kurzstudium missverstanden werden, die deutsche Überlängen für normal oder gar für fortschrittlich halten.

Zentral ist die inhaltliche Dimension. Im zweistufigen Bachelor-Master-System sind beide Abschlüsse wissenschaftsbestimmt und nicht wissenschaftsfern. Für die Mehrheit der Studenten geht es um eine akademische Qualifikation für berufliche Aufgaben außerhalb fachwissenschaftlicher Spezialisierung. Das fordert ein anderes Leitbild für das Studium, und hier liegt der Kern der Reform. Der alten eindimensionalen Vollendung des Fachwissenschaftlers im Diplom steht das neue mehrdimensionale Qualifikationsprofil für breite Einsatzfelder gegenüber. Praxisbezug ist selbstverständlich und kein Gegensatz zur Wissenschaftsbestimmtheit. Das gilt für Bachelor- und die Mehrheit der Mastergrade. Kein vernünftiger Mensch wird den MBA für die Vollendung wirtschaftstheoretischer Kompetenz halten.

Nicht zuletzt sind die biografischen Positionen von Bachelor und Master wichtig. Eine Berufstätigkeit so lange wie möglich aufzuschieben ist unvernünftig. Ein Qualitätsbachelor zielt deshalb auf den Berufsstart nach dem Bachelor und die spätere Wiederaufnahme des Studiums für einen Master oder andere Programme. In der deutschen Wirklichkeit dominiert noch altes Denken mit disziplinärer Verengung, der Neigung zum Langzeitstudium und Praxisfeindlichkeit. Das schadet dem Bachelor.

Der Autor ist Gründungsrektor der privaten Fachhochschule OTA in Berlin.

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