Gesundheit : Kutzler bleibt TU-Chef

Seit 1973 ist er an der Uni, seit 2002 Präsident

Uwe Schlicht

Der bisherige Präsident der Technischen Universität Berlin, der 64-jährige Mathematiker Kurt Kutzler, ist gestern vom Konzil der Hochschule mit 40 gegen 20 Stimmen und einer Enthaltung zum Präsidenten wieder gewählt worden. Kutzler, der an der FU Mathematik studierte, ist seit 1973 Professor an der TU. Mit kurzen Unterbrechungen war er von 1987 bis 2002 drei Mal Erster Vizepräsident.

Zum ersten Vizepräsidenten wurde der 49-jährige Chemiker Jörg Steinbach für eine zweite Amtszeit gewählt. Er erhielt 38 Stimmen gegen 17 Stimmen, fünf Stimmen waren ungültig. Im Konzil führen die beiden Mehrheitsfraktionen der Konservativen und der Liberalen mit etwa 38 Stimmen. Kenner lesen aus dem Ergebnis, dass zumindest für Kutzler auch Stimmen von der linken Reformfraktion abgegeben worden sind. Denn im Kreis von Kutzlers Gruppe dürfte es einige „Abweichler“ gegeben haben, die mit der politischen Fraktionierung der Technischen Universität und dem Kurs Kutzlers nicht zufrieden sind. Im Sommer letzten Jahres wurde intern heftige Kritik an Kutzler geübt. Kutzler führe sein Amt selbstherrlich. Im Vergleich zu anderen Berliner Unipräsidenten spiele er nur eine Nebenrolle. Tatsächlich hatte die TU in den letzten Jahren vor allem bei den Sonderforschungsbereichen an Substanz verloren. Hatte sie einst acht dieser großen interdisziplinären Zentren, führt sie heute als Sprecher-Uni noch drei an. Die FU hat acht, die HU neun.

Vor seiner Wahl hatte Kutzler eine Art Regierungserklärung abgegeben. Er erinnerte an die Zeit, als er nach dem Tod seines Vorgängers Hans-Jürgen Ewers im Jahr 2002 zum Präsidenten gewählt wurde. Damals habe er angekündigt, die TU wieder zu einer Spitzenuni zu entwickeln. Er habe damals dafür 15 Jahre veranschlagt, sagte Kutzler. Jetzt sehe er sich durch das Ergebnis des Exzellenz-Wettbewerbs von Bund und Ländern in seiner Politik bestätigt. In der Öffentlichkeit habe es jedoch eine Menge Irritationen gegeben. Es sei der Eindruck entstanden, als seien die zehn Universitäten, die in der dritten Säule des Wettbewerbs die Chance auf den Gewinn des Elite-Status hätten, die eigentlichen Gewinner, sagte Kutzler. Doch die Eintrittskarte für eine solche Spitzenposition sei nach den Regeln des Wettbewerbs ein Erfolg in den beiden anderen Disziplinen, bei den Graduiertenschulen und Forschungsclustern.

Danach gehöre die TU mit dem vorläufigen Erfolg bei einer Graduiertenschule und zwei Clustern zu den zehn besten Unis. Denn nur zehn von 72 Hochschulen im Wettbewerb hätten zwei oder mehr Cluster, also interdisziplinäre Forschungsvorhaben, in die Endrunde bringen können, sagte Kutzler, dessen Hochschule im Rennen um den prestigeträchtigen Elite-Status in der Vorrunde ausgeschieden war. Kutzler beklagte, dass es an der TU noch immer Defizite in der Lehre gebe.

Vizepräsident Steinbach wies darauf hin, dass die TU inmitten eines großen Erneuerungsprozesses bei den Professuren sei. 202 Professoren an der TU seien seit weniger als zehn Jahren in Berlin tätig, weitere 72 Berufungen stünden bis zum Jahr 2009 an. Am Ende der neuen Amtszeit würden alle TU-Lehrstühle neu besetzt sein.

Steinbach sagte, er betrachte es als großen Erfolg der TU, dass sich die führenden TUs in der Gruppe der TU 9 zusammengefunden hätten, um das Niveau der Ingenieurausbildung zu sichern. Der Bachelor dürfe nicht der Regelabschluss sein: Die TUs wollten nicht auf „Fachhochschul-Niveau heruntergewirtschaftet“ werden.

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