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INGO BACH

Zukunftsminister Rüttgers fördert 13 internationale Studiengänge / Zwei Projekte in BerlinVON INGO BACHDie in Deutschland üblichen Studienabschlüsse sind international schon lange nicht mehr up-to-date.Weltweit haben sich die im britischen und amerikanischen Hochschulsystem vergebenen Grade Bachelor und Master durchgesetzt.Auch "Zukunftsminister" Jürgen Rüttgers hat im deutschen Sonderweg einen Standortnachteil erkannt und deshalb ein 30 Millionen Mark-Förderprogramm aufgelegt, um bis zum Jahr 2000 bundesweit 13 international ausgerichtete Studiengänge zu fördern. Die Fördermillionen ließen die chronisch unterfinanzierten deutschen Hochschulen aufhorchen - es bewarben sich 119 Hochschulen mit insgesamt 223 Studiengängen.Doch nur 13 wurden von einer achtköpfigen Jury ausgewählt und können ab dem Wintersemester 1997/98 mit den Lehrveranstaltungen beginnen, darunter nur eine einzige aus Berlin: die Humboldt-Universität mit dem Studiengang "International Agricultural Sciences".Harald von Witzke, Koordinator des Studienganges an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät (LGF) der HU, lobt seinen Studiengang "als Ausbildung von Experten, die sich den zunehmenden Ernährungsproblemen der Welt zu stellen haben".International anerkannte Abschlüsse seien da besonders nötig. Voraussetzung für die Einschreibung ist ein deutsches Vordiplom beziehungsweise der Bachelor, da der Studiengang als Hauptstudium konzipiert ist."Wir versuchen die Einhaltung der Regelstudienzeit von vier Semestern zu erleichtern", sagt von Witzke.Dazu gehöre der modulare Aufbau der - zu einem großen Teil in Englisch gehaltenen - Lehrveranstaltungen in fünf aufeinander aufbauende Blöcke.Trotzdem strebe man keine Verschulung an, betont von Witzke."Die Studenten behalten ihre völlige Freiheit bei der Zusammenstellung der Lehrveranstaltungen." Der Abschluß wird nach dem amerikanischen Creditpointsystem erreicht: Für den Abschluß ist eine bestimmte Punktzahl durch Leistungsnachweise nötig.Auf Abschlußprüfungen wird ganz verzichtet.Die deutschen Studenten werden ein bis zwei Semester an einer ausländischen Partneruniversität studieren.Bei diesen attraktiven Angeboten sei schon jetzt die Nachfrage sehr groß, sagt von Witzke.Eigentlich habe man mit 40-60 Teilnehmern gerechnet, bis zu 100 Studenten könne man aber verkraften.Davon wird die Hälfte aus dem Ausland stammen."Wir haben den Studiengang weltweit ausgeschrieben", sagt von Witzke, auch übers Internet. In den anderen Berliner Hochschulen schaut man ein wenig neidisch auf die HU-Agrarier, hätte man doch gern selbst etwas von dem Förderkuchen abbekommen.Die TU sei über die Ablehnung ihres Antrages für den Maschinenbau-Studiengang Global Production Engineering betrübt, sagt Pressesprecherin Kristina Zerges.Im nächsten Jahr werde man sich aber erneut bewerben. Nach Angaben des Wissenschaftssenats hatten sich fast alle Berliner Hochschulen um Förderung beworben."Das waren ganze Fakultäten, beispielsweise die Physik der FU", sagt die Pressesprecherin, Kerstin Schneider.Deren Konzept sei "sehr spannend und fast schon sensationell" gewesen: Die ganze Fakultät habe hinter dem Umbau zu mehr Internationalität gestanden.Warum man sich bei Rüttgers gegen diesen Vorschlag entschieden habe, wisse sie nicht.In der Auswahlkommission habe kein Berliner Vertreter gesessen."Agrarwissenschaften sind doch schon von Natur aus sehr international ausgerichtet, da hätte es keine Extra-Förderung gebraucht", heißt es aus der Senatsverwaltung.Die FU wolle wenigstens zu einem kleinen Teil trotzdem an der Umorientierung der Physik festhalten, sagt Traugott Klose, Leiter der Studienabteilung. Doch erst vor wenigen Tagen gab es für die FU überraschend ein kleines Trostpflaster für einen anderen international ausgerichteten Studiengang.Ein Bachelor-Master-Programm der Chemie kann sich auf 250 000 Mark Förderung aus einem Topf des Auswärtigen Amtes freuen."Der FU-Studiengang wendet sich vor allem an Ausländer", sagt die Referatsleiterin des DAAD in Bonn, Anette Pieper-Bausch, die diese Förderung betreut. Es ist vorgesehen, ab dem Wintersemester 60 Studierende im Hauptstudium auszubilden.Doch das wird nur anfangs ein reiner Ausländerstudiengang sein, betont Traugott Klose."Sobald die Prüfungsordnung umgearbeitet ist, können daran auch deutsche Studenten teilnehmen." Das werde etwa zwei Semester dauern.Zunächst wende man sich vor allem an die ausländischen Austauschstudenten, die über das Erasmus und Sokrates-Programm an der FU studieren.Eine Neuerung ist, daß nach dem Masterabschluß ohne Übergang sofort mit der Doktorarbeit begonnen werden kann."Unser Ziel ist, die Promotion innerhalb von zwei, drei Jahren zu erreichen und nicht wie üblich in durchschnittlich fünf Jahren."

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