Gesundheit : Law School: Der Staat erstarrt - Private ändern das Jurastudium

Uwe Schlicht

Das Jurastudium in Deutschland läuft seit Jahrzehnten in traditionellen Bahnen. Ausgebildet werden Juristen vor allem nach dem Maßstab des Staatsexamens - als ob alle Richter oder Staatsanwälte werden wollten. Im Wirklichkeit wenden sich immer mehr Juristen dem Anwaltsberuf oder Tätigkeiten in der Wirtschaft zu. In der Wirtschaft jedoch denkt man immer häufiger international. Die internationale Ebene ist mit der Europäischen Union nur unzureichend umschrieben. Sprachkundige und kompetente Juristen werden nicht nur in dem zusammenwachsenden Europa benötigt - im Zeichen der Globalisierung müssen auch deutsche Juristen sich immer mehr im internationalen Privat- und Wirtschaftsrecht der USA auskennen.

Kein Wunder, dass eine Neuordnung der Juristenausbildung ohne Repetitor in Deutschland in der Luft liegt. Die Zeit-Stiftung, die auf Ebelin und Gerd Bucerius zurückgeht, hat das Geld für eine Law School bereitgestellt, in der diese internationale und praxisnahe Hochschulausbildung umgesetzt werden soll. Aus mehreren hundert Bewerbern sind jetzt die 100 Besten ausgewählt worden. Sie mussten Tests und die englische Toefl-Prüfung sowie eine persönliche Vorstellung mit Kurzvorträgen überstehen. Im Oktober soll ihr Studium an der Law School beginnen.

Pro Lehrstuhl 600 000 Mark

Eine private Law School ist ein teures Unterfangen, denn fünf Lehrstühle werden zum Start benötigt. Jeder Lehrstuhl kostet mit entsprechender Personalausstattung 600 000 Mark im Jahr. Für den praxisnahen Lehrbetrieb ist die Law School auch auf Lehrbeauftragte angewiesen, darunter erfahrene Juristen aus dem Ausland. Außerdem muss für die Law School ein geeignetes Gebäude zur Verfügung stehen. Dem Vorhaben steht auch die Krupp-Stiftung aufgeschlossen gegenüber: Sie hat einen Lehrstuhl für internationales Privat- und Wirtschaftsrecht über fünf Jahre für drei Millionen Mark finanziert. Aber die Law School ist auf weitere Stiftungen angewiesen, denn am Ende ist ein Ausbau auf elf Professuren geplant. Dann sollen 400 Studenten eingeschrieben sein.

Nach einen sorgfältigen Auswahlprozess müssen die ersten 100 akzeptierten Studenten jetzt offenlegen, wie sie sich die Finanzierung ihres Studiums vorstellen. Dieses Verfahren ist bewusst gewählt worden, weil über die Auswahl nicht der Geldbeutel der Eltern entscheiden soll, sondern allein die Eignung der künftigen Studenten. Ein Studienplatz kostet an der Law School bei einer Studiendauer von dreieinhalb Jahren 100 000 Mark. Die Studenten sollen durch Studiengebühren in Höhe von jährlich 15 000 Mark einen Beitrag zur Finanzierung leisten. Wer das nicht kann, erhält nach Angaben des Pressesprechers der Zeit-Stiftung, Markus Baumanns, bei entsprechender Bedürftigkeit entweder ein Stipendium oder kann ein mit einer Bank abgestimmtes Ausbildungsdarlehen aufnehmen. Mit der Hamburger Sparkasse sind die Konditionen abgesprochen worden: Die Rückzahlung des Darlehens in Höhe von acht Prozent jährlich beginnt erst, wenn der künftige Jurist eine entsprechende Stellung gefunden hat und über ein Einkommen verfügt, das ihm diese Rückzahlung erlaubt. Will ein Studienbewerber von dem Darlehen keinen Gebrauch machen, kann er sein Studium auch über Kredit finanzieren.

Zunächst startet die Law School ihre dreieinhalbjährige Ausbildung in einem Bachelor-Studiengang. Als nächster Schritt ist der Aufbau eines einjährigen Magisterstudiums geplant, das mit dem Master endet. In diesem Masterprogramm erhält der fertige Jurist vor allem eine zusätzliche Ausbildung im Wirtschaftsrecht. Auch Promotionsmöglichkeiten sollen geboten werden.

Während der Bachelor-Student ständig von Semester zu Semester geprüft wird und von daher ein großes Abschlussexamen mit Hausarbeit und Klausuren nicht mehr ablegen muss, stehen demjenigen, der nach dem Bachelor noch das deutsche Staatsexamen ablegen will genau diese Prüfungsanforderungen bevor. Ein zusätzliches halbes Jahr wird dafür veranschlagt. Entsprechende Vereinbarungen mit der Hamburger Justizbehörde sollen in diesen Tagen unterschriftsreif sein.

Problemloser Wechsel ins Ausland

Der Bachelor-Student erhält während seines Studiums Credit points, die international anerkannt sind. Die Gesamtnote setzt sich aus dem Durchschnitt der Credit points zusammen. Diese "Kreditpunkte" erlauben den Studenten den problemlosen Wechsel ins Ausland an eine Partnerhochschule in den USA oder in Großbritannien. Die Auslandsaufenthalte vermittelt die Law School. Wegen der Bedeutung der EU wird noch nach Partnerhochschulen in Frankreich und Spanien gesucht. Vier Monate studiert der Hamburger Student dann an der Partnerhochschule, und anschließend arbeitet er zwei Monate bei einem Anwalt oder in einer Firma in den USA, um den nötigen Einblick in die Praxis zu erhalten.

Das gedrängte Studienprogramm ist nicht nur eine Herausforderung wegen der Sprachhürde: Englisch wird vorausgesetzt. Die Herausforderung liegt auch in dem Anspruch, die künftigen Juristen nicht nur zu "Fachidioten" auszubilden, sondern ihnen in einem Studium generale zugleich Einblicke in die modernen Naturwissenschaften, die Medizin oder in die Literatur, Geschichte sowie Philosophie zu vermitteln. Die Law School garantiert ihren Studenten für die enormen Anforderungen auf der anderen Seite eine intensive Betreuung in kleinen Gruppen durch Professoren und Tutoren.

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