Gesundheit : Leben auf dem sommerträgen Campus

DEIKE DIENING

Luigis Augen leuchten: "Die Architektur ist großartig!" Sein Rucksack steckt voller Objektive, auf der Suche nach baulichen Highlights tigert er durch die Stadt.Unbedingt wollte der italienische Architekturstudent nach Berlin - jetzt nimmt er mit einem DAAD-Stipendium am internationalen Hochschulkurs für Germanistik an der Humboldt-Universität teil.

Drei Wochen lang belebten 54 Studenten aus 20 Ländern den sommerlich trägen Campus, um die Geheimnisse der deutschen Sprache zu ergründen und die Protagonisten deutscher Kultur kennenzulernen.Am heutigen Sonnabend geht die diesjährige Veranstaltung zu Ende.So verschieden wie die Teilnehmer sind ihre Gründe für die Teilnahme: Herman Degenhart aus Amsterdam ist vierzehn Jahre zur See gefahren, bevor er sein Abitur nachmachte und aus Wissensdurst Geschichte studierte.Jetzt feilt er mit 53 Jahren an seinen Sprachkenntnissen und ist auf der Suche nach einem Doktorvater.Carolina Chavarria aus Barcelona ist eigentlich Übersetzerin für Neugriechisch."Das wird aber nicht mehr verlangt, also werde ich demnächst Deutsch unterrichten."

Immer wenn von "Summer Schools" die Rede ist, schielt man hierzulande neidisch in Richtung der angelsächsischen Länder, vorzugsweise gen Harvard oder Oxbridge, wo internationale Sommerkurse schon seit Jahren Unterricht auf hohem Niveau bieten und dazu noch Geld in die Universitätskassen spülen.Doch warum in die Ferne schweifen? Mit 32 Jahren haben auch in Berlin die internationalen Sommerkurse an der Humboldt-Universität eine lange Tradition.

Drei Wochen lang gab es in diesem Jahr intensiven Sprachunterricht auf den unterschiedlichen Niveaus der Teilnehmer, Grammatik und Einzelunterricht für Phonetik.Die Betreuer boten Freizeitmöglichkeiten und Exkursionen, Kino- und Theaterabende an.Da dieses Jahr unter dem Motto "Brecht in Berlin" stand, öffnete auch das Literaturforum im Brecht-Haus die Pforten.Zusätzlich wurden Exkursionen nach Buckow angeboten.Zum Teil werden die hier erbrachten Leistungen dann als "credits" im Heimatland anerkannt.

Christine Willig, die zusammen mit Antje Baumann das Programm organisiert, beschreibt, wie das Programm im Laufe der Jahre ständig verbessert wurde: "Für die Universität von Virginia haben wir zum Beispiel ein maßgeschneidertes Programm entwickelt, und damit unsere Kurse dem amerikanischen Credit-System kompatibel gemacht." Zuvor habe die Universität von Virginia lange nach einem Kooperationspartner gesucht, der sich in der Lage sah, das Programm den strikten amerikanischen Anforderungen anzupassen.

Beide Organisatorinnen haben ihr eigenes Studium an der Humboldt-Universität absolviert und inzwischen viel Herzblut in die Summer School investiert.Zu Vorwendezeiten gab es international orientierte Germanistische Institute unter anderem auch in Rostock und in Weimar.Für Betreuer und Lehrende waren diese Kurse oft die einzige Möglichkeit, Kontakt mit dem Ausland zu pflegen.

An Attraktivität hat der Kurs bis heute nichts eingebüßt.Die Teilnehmer sind so begeistert, daß viele von ihnen gleich noch einmal kommen wollen."Allein dieses Jahr haben wir sechs Leute aus dem letzten Jahr im Programm", so Antje Baumann.Beide Organisatorinnen glauben, daß die Entwicklung des Marktes für internationale Austausch- und Sprachangebote auf hohem Niveau in einer Stadt wie Berlin gerade erst am Anfang steht."Es wäre ein leichtes, zehn amerikanische Universitäten als Partner anzuheuern", so Baumann.

Unverständlich ist es für die beiden, daß die Zukunft des Kurses ungewiß ist.An der Humboldt-Universitäts wird über eine organisatorische Umstrukturierung nachgedacht, nach der der Kurs in seiner gegenwärtigen Form nicht weiterbestehen wird."Damit geht ein über die Jahre gesammelter Erfahrungsschatz ungenutzt verloren", sagt Antje Baumann."An der FU wird gerade mit viel Mühe und finanziellen Problemen eine neue Summer School gegründet, und hier sollen gut eingeführte Sommerkurse, die sich finanziell auch noch selber tragen, abgeschafft werden.Das ist absurd." Lektorin Kathrin Herrman hofft, daß die Unileitung sich bald zu einer endgültigen Entscheidung durchringt.

Helmut Pfeiffer, Dekan der zuständigen Philosophischen Fakultät II, beschwichtigt: "Eine Einstellung der Kurse ist auf keinen Fall beabsichtigt." Sogar an eine Ausweitung des Programms sei gedacht worden.Geplant sei lediglich eine Umstrukturierung "unter der organisatorischen Federführung des Sprachenzentrums." Termine und Konzepte seien allerdings noch nicht spruchreif.Er räumt jedoch ein, daß damit die traditionelle Verknüpfung der Kurse mit dem Fachbereich der Germanisten verloren gehen würde.

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