Gesundheit : Lebenslanges Lernen: Modell Europa

Bärbel Schubert

"In der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts ist eine gute Ausbildung entscheidend - für die wirtschaftliche Entwicklung des ganzen Landes sowie für den Wohlstand des Einzelnen. Deshalb suchen die OECD-Mitgliedsstaaten nach Wegen, künftig allen Jugendlichen eine qualifizierte Ausbildung zu geben." Diese Bilanz zog Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) nach der OECD-Bildungsministerkonferenz am Mittwoch in Paris, deren Vorsitzende sie derzeit ist.

Hauptthema der Konferenz war das lebenslange Lernen. "Künftig müssen wir mehr als die oberen zwei Drittel der gut Ausbildeten mit der Weiterbildung erreichen", forderte Bulmahn. 90 Prozent der Menschen in Führungspositionen bildeten sich regelmäßig weiter. Geringqualifizierte, wie etwa Hilfsarbeiter, dagegen beteiligten so gut wie gar nicht an Weiterbildung. Für eine bessere Information über entsprechende Angebote wollen die OECD-Bildungsminister nun regionale Netzwerke schaffen, heißt es in dem gemeinsamen Abschluss-Kommuniqué mit dem Titel "In Kompetenzen für alle investieren". In Deutschland hat Bulmahn dazu erst kürzlich ein Programm "Lernregionen" (siehe nebenstehende Meldung) gestartet. "Damit sinkt auch die Schwelle zur Teilnahme", erläuterte die Ministerin. Um die Verbraucher darüber hinaus vor minderwertigen Fortbildungsangeboten zu schützen, wird in Deutschland beispielhaft von Ministerium und Stiftung Warentest ein Qualitätssiegel für die Computerbranche erarbeitet.

Die OECD-Bildungsminister hatten sich bei ihrer vorangegangenen Konferenz vor fünf Jahren darauf verständigt, die lebensbegleitende Weiterbildung in ihren Ländern zu etablieren. Diesmal zogen sie Bilanz und dehnten ihr Ziel auf eine "Weiterbildung für alle" aus. Einige Staaten haben bereits Weiterbildungssysteme mit regelmäßiger Begutachtung und Zertifizierung geschaffen, wie beispielsweise Irland.

Doch die OECD-Staaten wollen ihre Bildungssysteme insgesamt ausbauen und verbessern - vom Kindergarten an. Die Zeichen stehen in der Bildungspolitik international auf Expansion. Dabei bewegen sich die europäischen Staaten aufeinander zu, berichtete Bulmahn weiter. "Bei aller Vielfalt hat sich eine ganze Reihe klarer Gemeinsamkeiten herauskristallisiert". Dabei entstehe ein "Modell Europa", das für andere Staaten beispielshaft sei. Neben einer guten Schulausbildung gewinnt die vorschulische Erziehung an Bedeutung. Hierauf legt Ministerin Bulmahn einen besonderen Akzent: "In anderen Ländern haben die Kindergärten oft einen klareren Bildungsauftrag als in Deutschland. Diese Debatte beginnt in Deutschland erst und wird deutlich an Gewicht gewinnen."

Nach Bulmahns Worten sind inzwischen alle Mitgliedsstaaten auch darüber einig, dass eine gute schulische Ausbildung die besten Voraussetzungen für günstige Berufsaussichten schafft. Alle Jugendlichen, die in der Schule scheitern, müssten eine zweite Chance zur Qualifizierung bekommen. In Deutschland hat dies bereits mit dem Sonderprogramm "Jump" für die Ausbildung Jugendlicher begonnen. "Ein ungleicher Zugang zur Erstausbildung wirkt sich nicht nur negativ auf die Beschäftigung, Verdienstmöglichkeiten und gesellschaftliches Engagement aus, sondern auch auf die späteren Weiterbildungsmöglichkeiten", heißt es in dem Kommuniqué.

Um den Jugendlichen den Übergang in den Beruf zu erleichtern, sollen die Schulen künftig stärker mit Unternehmen zusammenarbeiten. "Die Jugendlichen müssen frühzeitig verstehen, was die Firmen von ihnen erwarten, wenn sie eine Lehrstelle suchen", meinte die Ministerin. Mit der Aussicht auf eine Lehrstelle wachse beiden meisten Schülern auch die Motivation zum Lernen. "Die Einstellung - Schule ist nur Bull-Shit - ist dann ganz schnell verschwunden". Bulmahn: "Die vielen guten Ansätze in diesem Bereich müssen wir jetzt verbreiten." Für viele Jugendliche müsse die zweite Chance aber weiter über staatliche Programme finanziert werden.

Unentbehrliche Hilfe bei diesen Fragen ist die Bildungsforschung. Sie wollen die Minister stärker fördern, um Klarheit über die Kompetenzen für den Arbeitsmarkt der Zukunft zu bekommen. Die OECD-Bildungsminister treffen sich alle fünf Jahre zu einer Tagung. Der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gehören 30 Industriestaaten an.

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