Gesundheit : Lehrer-Bachelor für Arme

FU kann sich frühe lehramtsspezifische Ausbildung nicht leisten

Anja Kühne

Die Ausbildung der Berliner Lehrer soll verbessert werden – aber wie? Darüber sind sich die Berliner Universitäten nicht einig. Während die Humboldt-Universität das Bachelor- und Master-Modell des Berliner Senats umsetzen will, geht die Spitze der Technischen Universität bislang davon aus, das Studium könne auch ohne Bachelor- und Masterabschlüsse verbessert werden. Eine dritte Meinung vertritt die Freie Universität.

Der akademische Senat der FU wollte auf seiner letzten Sitzung den Entwurf der Berliner Senatsverwaltung nur mit einem Zusatz beschließen: Das Gesetz soll auch einen „konsekutiven“ Aufbau des Lehrerstudiums möglich machen. Damit ist gemeint, dass FU-Studenten sich nicht von Anfang in einem lehramtsspezifischen Bachelor-Studium auf ihren Beruf als Lehrer vorbereiten würden. Das fachwissenschaftliche Bachelor-Studium wäre nicht inhaltlich eng mit Pädagogik und Didaktik verzahnt und in Modulen deutlich auf diese lehrerrelevanten Qualifikationen bezogen, wie es die Senatsverwaltung und die Humboldt-Uni planen. Stattdessen würden die Studenten ein Bachelor-Studium als fachwissenschaftliches Studium absolvieren und die für den Lehrerberuf relevanten Anteile erst später aufsatteln, wie es der Wissenschaftsrat empfohlen hat.

Der Erste Vizepräsident der Freien Universität, Dieter Lenzen, begründete die Entscheidung damit, einen lehramtsspezifischen Bachelor könne sich die FU bei einer Studentenüberlast von 180 Prozent in manchen Fächern nicht leisten: „Wir können nicht alle Inhalte auf den Schuldienst beziehen.“ Der Literaturwissenschaftler Gert Mattenklott sagte, das Modell der Verwaltung betone die berufsbezogenen Anteile des Studiums dermaßen stark, dass diese „die Fachwissenschaften zu unterminieren drohen“.

Dieter Lenzen geht davon aus, dass die Unis sich von Fach zu Fach auf eins der beiden Modelle einigen werden. Kritiker an der Humboldt-Uni befürchten jedoch, die FU könnte versuchen, die traditionelle Dominanz der Fachwissenschaften gegenüber den Erziehungswissenschaften und der Didaktik fortzuführen – zum Schaden der angehenden Lehrer. Denn auf diese müssten die Dozenten dann auch weiterhin im fachwissenschaftlichen Angebot nicht besondere Rücksicht nehmen. Die Professoren könnten noch immer recht frei entscheiden, welchen Kurs sie wann anbieten.

An der Technischen Universität stößt man sich unterdessen besonders an der Tatsache, dass die Lehrämter außer dem Studienrat nicht mit einem Master, sondern nur mit dem Bachelor abschließen sollen. Die Vizepräsidentin der TU, Ulrike Strate, befürchtet einen Abfall im Niveau der Ausbildung – auch, weil das Referendariat um ein halbes Jahr verkürzt werden soll. Außerdem sieht sie zusätzliche Kosten auf die Fakultäten zukommen. Strate plädiert dafür, die Gesetzesänderung zu verschieben, um diese Fragen zu klären. Der auf acht Jahre angelegte Modellversuch soll zum Wintersemester 2003/2004 an allen drei Berliner Universitäten starten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar