Gesundheit : Lehrer fehlen fast überall in Europa Mangel besonders in Mathematik und Naturwissenschaften

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In Deutschland wie in den meisten anderen Staaten der Europäischen Union (EU) wird in den nächsten Jahren der Lehrer-Nachwuchs knapp. Als Gründe dafür gelten, dass in Studium wie Referendariat viel zu wenige Pädagogen ausgebildet werden und die äußerst unattraktiven Anwärterbezüge. Gleichzeitig steht eine „Pensionierungs-Welle“ an den Schulen unmittelbar bevor. Dies geht aus einer Untersuchung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hervor. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt in einer Erhebung zum gleichen Ergebnis. Dabei sind die sinkenden Schülerzahlen in Deutschland jeweils schon berücksichtigt.

Allein in der Bundesrepublik stehen einem jährlichen Bedarf von 33 000 bis 35 000 Nachwuchs-Lehrern in den nächsten Jahren nur jeweils rund 22 000 fertig ausgebildete Junglehrer mit Zweitem Staatsexamen gegenüber. Die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange kritisierte: „Eine vorausschauende und vorsorgende Einstellungspolitik ist bei den Bundesländern nicht erkennbar.“

Hessen wirbt schon an

Die Folge werde ein noch schärferer Wettbewerb der Länder um den knappen Lehrer-Nachwuchs sein - „zu Lasten der Schüler und der Unterrichtsqualität“, sagte Stange. Engpässe seien vor allem an Hauptschulen, Sonderschulen und Berufsschulen zu befürchten. Der absehbare Lehrermangel werde zudem zu einem „schleichenden Verlust an pädagogischer Professionalität in den Lehrerkollegien durch die vermehrte Einstellung von pädagogisch nicht qualifizierten Seiteneinsteigern“ führen. Hessen hat als erstes Bundesland in den letzten Wochen bereits eine neue offensive Anwerbungskampagne in anderen Bundesländern gestartet.

Im vergangenen Schuljahr wurden nach dem GEW-Arbeitsmarktbericht gut 32 000 Lehrkräfte neu eingestellt, nicht immer auf vollen Stellen. Dies sind deutlich mehr Einstellungen als in den vergangenen Jahren. Möglich war dies, weil sich in früheren Jahren abgewiesene Bewerber erneut beworben hatten. Fast 31 000 Einstellungen entfielen auf den Westen. Dennoch stieg das Durchschnittsalter der Lehrer weiter: Inzwischen ist jeder fünfte älter als 55 Jahre.

Höhere Anwärterbezüge sollen helfen

Die GEW forderte eine Anhebung der Anwärterbezüge. Sie seien in 30 Jahren so oft gekürzt worden, dass „inzwischen mancher Lehrling im dritten Lehrjahr mehr verdient als ein Lehramtsreferendar nach Erstem Staatsexamen“. Die Bezüge müssten wieder das frühere Niveau von etwa 1500 Euro erreichen.

Nach der Untersuchung steht auch in den meisten anderen EU-Ländern ein pädagogischer Generationenwechsel an. In vielen Ländern müssten wegen der Altersstruktur in den nächsten zehn Jahren zwischen 20 und 40 Prozent des Lehrerstandes ersetzt werden. Europaweit gebe es Nachwuchsprobleme vor allem im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, da der Arbeitsmarkt für diese Akademiker außerhalb der Schulen günstiger sei. dpa

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