Gesundheit : Lehrer sind keine Deppen

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

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Man war daran gewöhnt, dass es mit einem negativen Vorzeichen geschah, wenn über Schule gesprochen wurde: Pisa, unmotivierte Lehrer, prügelnde Schüler, uneinsichtige Eltern.

Da scheint selbst in Berlin ein Stimmungswandel eingetreten zu sein: Die Hoover-Schule wird mit dem Nationalpreis der (privaten) Deutschen Nationalstiftung ausgezeichnet. Hier hatten sich Eltern, Lehrer und Schüler darauf geeinigt, in der Schule nur deutsch zu sprechen, um so den Angehörigen von 15 in der Schule vertretenen Nationen die Möglichkeit der Verständigung untereinander zu ermöglichen. Die in die Schlagzeilen geratene Rütli-Schule punktet mit ihrem engagierten kommissarischen Rektor damit, dass die zuvor als Schläger verschrienen Schüler ein Musical aufführen. Das ist erfreulich, vor allem, wenn die damit einhergehenden positiven Reflexe nicht nur von kurzer Dauer sind.

Entscheidend ist, dass die Lehrer nicht als die Deppen der Nation dargestellt werden, sondern ihre Wichtigkeit und ihre Leistung anerkannt und gewürdigt werden. Zugegeben, deren lautstarke Interessenvertretung, die GEW, macht es manchen leicht, Vorurteile gegen einen ganzen Berufsstand zu kultivieren. Wenn man aber will, dass Lehrer ihre Aufgabe erfüllen können und auch von den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen ernst genommen werden sollen, darf man sie nicht ständig attackieren. Ganz überwiegend leisten die Angehörigen des Lehrkörpers gute und verantwortungsvolle Arbeit. Wenn es hier und dort „faule Säcke“ gibt, dann gehören sie gemaßregelt. Ebenso gehören aber die positiven Beispiele von engagierter Mehrarbeit und Erfolg herausgestellt, damit sie zur Nachahmung anreizen.

Dabei ergibt sich an den Grund- und Hauptschulen noch ein besonderes Problem, nämlich der hohe Anteil an weiblichen Lehrpersonen. Es kann vorkommen, dass Kinder bis zu ihrem zehnten Lebensjahr noch nie von einem Lehrer unterrichtet worden sind. Ein Wunder, dass nicht schon jemand auf die Idee gekommen ist, hier eine Quotenregelung einzuführen: Es müssten so lange männliche Vertreter des Berufsstandes eingestellt werden, bis mindestens 50 Prozent erreicht sind. Auf einen solchen unsinnigen, in anderen Zusammenhängen durchaus propagierten Gedanken verfällt glücklicherweise niemand. Umso wichtiger ist es, die Attraktivität dieses Bereichs auch für männliche Kandidaten zu erhöhen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken:

g.turner@tagesspiegel.de

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