Gesundheit : „Lehrer sind nicht kritikfähig“

-

Warum hassen Sie Lehrer?

Meine vier Kinder haben zusammen 26 Schuljahre auf dem Buckel, und da hat sich im Laufe der Zeit mein Ärger gesteigert: zum Beispiel darüber, dass an den Schulen eher Feste gefeiert werden, als dass Unterricht gemacht würde, bei dem auch was rauskommt. Die Arbeit der Lehrer wird nicht kontrolliert, schlechte Leistungen haben keine Folgen für sie, daher tun viele, was sie wollen – das ist unprofessionell.

Sie haben Ihr Lehrerhasserbuch unter einem Pseudonym veröffentlicht. Warum?

Ich hatte das Bedürfnis, meine Kinder zu schützen. Viele Lehrer können Beruf und Privatleben nicht auseinander halten und sind kein bisschen kritikfähig. Ich wollte meinen Kindern Nachteile wie schlechte Noten oder dumme Sprüche ersparen.

Im „Spiegel“ haben Sie jetzt Ihr Pseudonym gelüftet.

Das musste ich. Eine Lehrerin hat mit einem Foto aus einem Magazin, das mich von hinten zeigte, vor meinem jüngsten Sohn rumgewedelt und gesagt: „Das ist doch deine Mama!“ Ein unmögliches Verhalten, das mein ganzes Buch bestätigt. Da ist er eingeknickt und hat danach sehr gelitten, weil er mich ,verraten’ hatte.

Wie haben Lehrer und Eltern auf Ihr Buch reagiert?

Es gab von Anfang an sehr heftige Reaktionen, vor allem nach einem Fernsehauftritt, bei dem ich hinter einem Paravent saß: E-Mails und Anrufe beim Sender mit wüsten Beschimpfungen bis hin zu euphorischer Zustimmung. Auch auf Internetseiten, auf denen sich Lehrer austauschen, und bei Amazon ging sofort eine Diskussion los, zum Teil mit sehr persönlichen Anwürfen: Ich sollte mich lieber um meine Kinder kümmern, statt solche Scheiße zu schreiben, und so weiter.

Ihr Buch ist eine Polemik, keine differenzierte Darstellung. Können Sie verstehen, dass sich die Lehrer darüber ärgern?

Getroffene Hunde bellen – ein guter Lehrer kann sich darüber kaputtlachen. Es nützt doch nichts, die Dinge schönzureden! Wenn man Probleme ausspricht, ist das der erste Schritt, um sie zu lösen.

Normalerweise schreiben Sie Ratgeber für Eltern, etwa „Benehmen macht Schule“ (dtv) oder „Erzähl mir vom Sterben. Mit Kindern über den Tod reden" (Kreuz Verlag). Haben Sie jetzt Ihre polemische Ader entdeckt?

Ich hatte sie schon immer. Die Polemik steht nicht im Widerspruch zu meinen anderen Büchern: Wenn es bei mir eine Parteilichkeit gibt, dann die für Kinder. Es ist nun einmal so: Reaktionen bekommt man nur, wenn man lauter wird, stilistisch gesehen.

Das Gespräch führte Dorothee Nolte.

GERLINDE UNVERZAGT (45) hat vier Kinder in Berliner Schulen. Ihre Erfahrungen hat die Journalistin und Sachbuch-Autorin im „Lehrerhasserbuch“ niedergeschrieben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar