Gesundheit : Lehrerausbildung: Wie sie ist - und was sich in Berlin ändern soll

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Die Lehrerausbildung ist bundesweit in zwei Phasen gegliedert: in das Hochschulstudium, das mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen wird, und in den Vorbereitungsdienst in der Schule, der mit dem zweiten Staatsexamen endet.

Die Dozenten in den Fachwissenschaften der Universitäten berücksichtigen die späteren Anforderungen in der Schule kaum - obwohl in manchen Fächern fast genau so viele Lehramts- wie Magisterstudierende eingeschrieben sind. Nur 30 Prozent derjenigen, die sich für ein Lehramtsstudium eingeschrieben haben, erreichen in Berlin einen Studienabschluss.

Oft wird beklagt, der Anteil an Fachdidaktik im Studium sei zu niedrig. Angehende Studienräte in Berlin müssen insgesamt 14 Semesterwochenstunden (SWS) nachweisen (in den Fachwissenschaften dagegen 126). In den Erziehungswissenschaften und einer weiteren Sozialwissenschaft sind weitere 20 SWS zu belegen. Für kein Lehramt sind in Didaktik und Pädagogik mehr als 40 SWS vorgesehen.

Während der ersten Phase sammeln die angehenden Lehrer Schulerfahrung in drei Praktika: in einem Orientierungspraktikum und zwei Unterrichtspraktika mit Unterrichtsversuchen. Die Studierenden können die Praktika im Block (vier Wochen in der vorlesungsfreien Zeit) oder semesterbegleitend ableisten. Dieser Praxisanteil wird weithin als zu gering kritisiert.

Der Vorbereitungsdienst in der Schule dauert zwei Jahre. Die Referendare geben an drei Vormittagen zwölf Unterrichtsstunden in der Woche, an zwei weiteren Vormittagen besuchen sie Fachseminare, in denen es um die Didaktik der beiden Unterrichtsfächer geht. An einem Nachmittag besteht Anwesenheitspflicht in einem Hauptseminar, in dem Probleme der Didaktik und Pädagogik fächerübergreifend behandelt werden. Die Hauptseminarleiter sind wie die Fachseminarleiter Lehrer, allerdings geben sie selbst keinen Unterricht mehr. Manche Referendare kritisieren deshalb, sie seien zu weit von der Situation in den Schulen entfernt.

Der in Berlin für Schule (nicht aber für die Hochschulen) zuständige Bildungssenator Klaus Böger (SPD) will gemeinsam mit den Universitäten die Lehrerausbildung reformieren. Die Eckpunkte will er am heutigen Montag der Öffentlichkeit vorstellen. Schon vom Wintersemester 2003/2004 an studieren die angehenden Lehrer in Bachelor- und Masterstudiengängen. Das Bachelorstudium würde zum „Amt des Lehrers" führen, der in der Regel in den Klassen eins bis sechs eingesetzt wird. Wer „Lehrer mit zwei Fächern" oder Studienrat werden will, sattelt einen Masterabschluss drauf.

Die Abschlüsse werden als Äquivalente der Staatsexamina anerkannt und auch bundesweit akzeptiert. Das Landesprüfungsamt, das bislang das 1. Staatsexamen gemeinsam mit den Professoren abnimmt, soll dann auf eine „Notariatsfunktion" reduziert werden, wie es im Koalitionsvertrag zwischen PDS und SPD heißt. Für die Lehramtsstudenten, die immer wieder den bürokratischen Aufwand im Kontakt mit dem Landesprüfungsamt beklagen, wäre das eine große Erleichterung. Probleme bei der Anerkennung von Leistungen, die für das Lehrerstudium im Rahmen von Diplom- oder Magisterstudien erbracht wurden, entfielen.

Denn in Zukunft soll in Modulen studiert werden, die leichter kompatibel sind. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Module könnte während der gesamten Berufslaufbahn als Weiterbildung vorgeschrieben werden. Der Großteil der Prüfungen wird studienbegleitend absolviert.

Fachdidaktik und Pädagogik sollen im Studium stärker gewichtet werden und inhaltlich stärker an den Bedürfnissen der Praxis ausgerichtet sein, der Praxisanteil im Studium soll sich erhöhen. Um die Trennung von Uni- und Schulausbildung aufzuheben, sollen die beiden Phasen enger verzahnt werden. Wie das im einzelnen geschehen soll und ob eine Verkürzung oder völlige Veränderung des Referendariats damit einhergehen soll, steht noch nicht fest. akü

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