Gesundheit : Lehrermangel: Hessen streitet mit Ländern um das Abwerben von Lehrkräften

Zwischen Hessen und den anderen Bundesländern ist ein heftiger Streit um das Abwerben von Lehrern entbrannt. Hessens Kultusministerin Karin Wolff (CDU) verteidigte am 8. Dezember eine bundesweite Anzeigenkampagne ihres Landes, die für einen Wechsel nach Hessen wirbt. NRW-Bildungsministerin Gabriele Behler (SPD) meinte dagegen: "Ich bin sehr für lebendigen Wettbewerb, aber in geordneten Regeln, da sonst die Schulen ihren Unterricht nicht mehr organisieren können." Sie sprach von "Wildwest-Methoden" Hessens.

Hessen inseriert seit dem 5. Dezember bundesweit in Tageszeitungen mit offensiv formulierten Anzeigen ("Wir stellen täglich neue Lehrkräfte ein. Freie Stellen warten auf Sie. Und zwar sofort"). Alle Lehrer werden auf vollen Stellen verbeamtet und erhalten zum Beispiel in der Sekundarstufe I mit der Einstufung in die Gehaltsstufe A 13 zum Teil mehr Geld als Kollegen in anderen Ländern. In Nordrhein-Westfalen werden Lehrer dieser Stufe laut Wolff nur in der Besoldungstufe A 12 zugeordnet und bekommen damit 400 bis 500 Mark weniger Gehalt im Monat.

Außerdem wurden in Hessen die festen Einstellungstermine zum 1. Februar und 1. August abgeschafft, so dass neue Lehrer kurzfristig anfangen können. Seit dem 5. Dezember hätten sich schon mehr als 400 Interessenten gemeldet, sagte Wolff. Die hessische Ministerin rechtfertigte ihr Vorgehen. In Deutschland gelte Freizügigkeit. Nie-mand könne Lehrer daran hindern, sich ihren Arbeitsplatz auszusuchen, sagte Wolff der dpa. "Hessen zahlt keine Prämien und lockt niemanden weg. Wir bieten nur ganz gewöhnliche Vollzeitstellen und die Verbeamtung." Bei der Plenarversammlung der Kultusminister am 7. Dezember in Bonn hatten die 15 anderen Bundesländer das hessische Verhalten kritisiert und sich auf ein Lehrer-Abwerbeverbot aus laufenden Verträgen geeinigt. Wolff hatte allerdings gegen die Resolution gestimmt und damit ihre Annahme blockiert. "Die Resolution war eindeutig gegen uns gemünzt. Ich bin nicht bereit, einer Hessen-Beschimpfung zuzustimmen", meinte Wolff. Die hessische Kampagne richte sich vor allem an ausgebildete Lehrer ohne Stelle und an Hochschulabsolventen, sagte die Ministerin. Sie räumte allerdings ein, dass in Einzelfällen auch angestellte Lehrer mit laufenden Verträgen in anderen Bundesländern übernommen würden. Verbeamtete Lehrer sind generell ausgenommen. Hessen habe mit der Neueinstellung von 1 700 Lehrern 1999 und 2000 und der geplanten Einstellung von weiteren 600 Lehrern im Jahr 2001 einen klaren politischen Schwerpunkt gesetzt, sagte die Ministerin. Das Problem des Lehrermangels vor allem an Berufs- und Sonderschulen müsse schnell mit mehr Flexibilität im Laufbahnrecht gelöst werden. Dann könnten qualifizierte Bewerber auch ohne Staatsexamen nach Schulungen eingestellt werden.

Als Reaktion auf den Lehrermangel in einigen Bereichen hat der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Willi Lemke, Abiturienten aufgerufen, den Lehrerberuf zu ergreifen. "Wir brauchen in Deutschland in den kommenden Jahren viele neue Lehrer, und zwar in nahezu allen Fächern", sagte Bremens Bildungssenator der "Welt am Sonntag". Er könne "jedem, der Neigung zu diesem Beruf hat und gern mit jungen Menschen arbeitet, raten, ein Lehrerstudium zu beginnen". Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan (CDU) unterstützte Lemkes Aufruf. Steigende Pensionierungszahlen in den kommenden Jahren "werden die Einstellungsperspektiven sowohl in den allgemein bildenden Schulen als auch im beruflichen Schulwesen deutlich verbessern", sagte Schavan.

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