Gesundheit : Lemminge stürzen sich nicht in den Tod

-

Die Zahl der Lemminge steigt innerhalb eines Populationszyklus von vier Jahren regelmäßig um das Hundert bis Tausendfache an, um dann plötzlich radikal zu schrumpfen. Die Gründe für diese Schwankungen waren bisher weitgehend unbekannt. Und eine Legende besagte, die Tiere stürzten sich wegen Nahrungsmangels nach einer Massenwanderung schließlich vom Felsen in den Tod. Aber nicht der vermeintliche Massenselbstmord, sondern Raubtiere sind Ursache der extremen Schwankungen der Lemming-Population. Das haben Biologen der Universitäten Helsinki und Freiburg nach jahrelangen Lemming-Beobachtungen herausgefunden.

Eine Forschergruppe um Olivier Gilg beobachtet seit 15 Jahren jeweils im Sommer die im Nordosten Grönlands lebenden Halsbandlemminge (Dicrostonyx groenlandicus). Die Tiere sind in dem kargen, neun Monate pro Jahr von Schnee bedeckten polaren Ökosystem die einzige Nahrung für vier dort heimische Raubtiere, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin „Science“ (Band302, Seite866). Während die Schnee-Eule, die Raubmöwe und der Polarfuchs während der langen Winterphase die unter dem Schnee lebenden Nager nicht bedrohten, sei das Fressverhalten der Hermeline entscheidend für die Zahl der Lemminge. Da die Raubtiere aber auf Schwankungen der Lemming-Population erst mit erheblicher Verzögerung reagierten, könnten sich die Lemminge für eine gewisse Zeit explosiv vermehren. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar