Gesundheit : Lieber in den Ministerien sparen

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

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Jahrzehnte lang war es die Domäne der Ministerien für Wissenschaft, die Rechts- und Fachaufsicht über die Universitäten auszuüben. Das führte mancherorts zu Auseinandersetzungen, weil oft zu sehr en detail in die Hochschulen „hineinregiert“ wurde.

Inzwischen hat ein bemerkenswerter Prozess stattgefunden. Manche Bundesländer haben ihren Hochschulen größere Spielräume zugestanden; in einigen Fällen sind sie sogar mit der Umwandlung in Stiftungsuniversitäten formal weitgehend unabhängig vom Staat. Ein früher heftig umkämpftes Feld, die Genehmigung von Studiengängen mit den dazu gehörigen Studien- und Prüfungsordnungen, ist quasi privatisiert. Es ist die Aufgabe spezieller Agenturen, auf Antrag der Hochschulen Studiengänge zu akkreditieren. Voraussetzung ist, dass bestimmte qualitative Mindestanforderungen erfüllt sind. Die Hochschulen werden von der öffentlichen Hand finanziert, so dass es nachvollziehbar ist, wenn auch eine gewisse Kontrolle ausgeübt wird.

Unabhängig davon, wie überzeugend und sinnvoll das jetzt praktizierte Verfahren sein mag, ist festzuhalten, dass die Aufgaben der Ministerien in den letzten Jahren reduziert worden sind. Gilt das aber auch für das Personal? Über einen proportionalen Abbau oder eine Umschichtung ist jedenfalls nichts bekannt geworden. Das muss aus der Sicht der Hochschulen mindestens irritieren. Sie haben für das Akkreditierungsverfahren Mittel aufzubringen, die sie aus ihrem Etat erwirtschaften müssen. Bei den Ministerien müssten – eigentlich – mehr oder weniger Mitarbeiter beschäftigungslos sein. Wie wird das erst beim Bundesministerium sein, wenn die Föderalismusreform wirkt und dort in großen Teilbereichen keine Aufgaben mehr anfallen!

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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