Gesundheit : Linus Pauling: Viel Vitamin C für den noblen Geist

Bas Kast

Wenn er sein Lebensziel, 100 Jahre alt zu werden, verfehlen sollte, dann, so sagte er einst, liege das nicht an der mangelnden Wirkung von Vitamin C. Sondern daran, dass er erst vor 27 Jahren damit begonnen habe, es in ausreichenden Mengen zu sich zu nehmen.

Am heutigen Tag hätte er sein Ziel erreicht: Es wäre sein 100. Geburtstag geworden. Aber Linus Pauling, der zweifache Nobelpreisträger, starb wenige Jahre zuvor, im August 1994. Immerhin brachte es der weltbekannte Chemiker auf 93 Jahre. Und nach wie vor gilt er als einer der großen Naturforscher des letzten Jahrhunderts.

Weltbekannt auch für Chemie-Laien aber wurde Pauling nicht etwa durch seine beiden Nobelpreise. Sondern eben dank seiner Spekulationen über die Heilungskraft des Vitamins C, wovon er später über zehn Gramm täglich konsumierte. Nicht nur dem Krebs könne man damit vorbeugen, meinte er. Sogar die Ausbreitung des Aids-Virus vermöge die Ascorbinsäure zu verhindern. Bis heute jedoch gibt es für beide Behauptungen keine stichhaltigen wissenschaftliche Belege. Pauling selbst starb aufgrund eines Krebsleidens.

Forscherfantasie - das war seine Stärke. Aber er scheiterte auch, mehr als einmal. Schon in den 50er Jahren war Pauling - im Wettrennen mit zwei anderen exzentrischen Geistern, James Watson und Francis Crick - der strickleiterförmigen Struktur unseres Erbguts auf der Spur. Watson hat später berichtet, es habe einen Moment gegeben, an dem er und Crick glaubten, sie hätten das Rennen gegen Pauling verloren.

Aber Linus Pauling war es, der den Wettstreit letztlich verlor. Bestimmte biochemische Ergebnisse von Kollegen schlug er schlichtweg in den Wind. Andererseits hatte der Chemiker das Pech, dass die Regierung ihm, der einen Lehrstuhl am kalifornischen Institut für Technologie (CalTech) in Pasadena inne hatte, den Auslandpass entzog, was ihn daran hinderte, nach Großbritannien zu reisen. So musste er im entscheidenden Augenblick auf jene Methoden der Röntgenstrukturanalysen verzichten, die Watson und Crick zur Verfügung standen.

Max Delbrück, der ebenfalls am CalTech war, erfuhr als erster von Watson und Cricks Lösung. Delbrück ging daraufhin zu Pauling, der gestrahlt haben soll und seine Glückwünsche nach Cambridge schickte. Aber in Wirklichkeit war es für den ehrgeizigen Wissenschaftler eine bittere Niederlage.

Warum hatte Pauling nicht ausreisen dürfen? Seit den 50er Jahren war er gegen Atomwaffentests eingetreten, weshalb man ihn auch als das "Strahlengewissen Amerikas" bezeichnete. Der Kommunistenjäger McCarthy allerdings hatte Pauling damit als "rot" und somit verdächtig eingestuft - weshalb man ihm den Pass entzog.

Doch auch Erfolge blieben nicht aus. 1954 erhielt er den Chemie-Nobelpreis für seine Forschungen an der Molekularstruktur von Eiweißen. Auch seinen Einsatz gegen Atomwaffentests wusste das Nobelpreiskomitee zu schätzen: 1962 bekam er zusätzlich den Friedensnobelpreis. Der wurde ihm nachträglich zuerkannt, nachdem man 1963 das Moskauer Abkommen über ein Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser unterzeichnet hatte - nicht zuletzt dank Pauling.

Es sollte auch nicht die letzte nachträgliche Anerkennung sein, die Linus Pauling erfuhr. Als Sohn eines aus Deutschland eingewanderten Apothekers hatte Pauling in Portland eine Highschool besucht, von der er allerdings kein Diplom bekam, weil er sich weigerte, vorgeschriebene Kurse zu belegen. Erst als Nobelpreisträger wurde ihm dieses Diplom nachgereicht. Es bleibt offen, inwiefern auch seine Ideen zum Vitamin C noch nachträgliche - wissenschaftliche - Anerkennung bekommen werden.

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