Gesundheit : Londons Uni-Fusion bleibt eine Illusion

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Die britischen Hochschulen suchen mit Hochdruck nach Lösungen für ihre Finanzmisere. Zusammenlegungen – als Mergers aus der Industrie bekannt – sind derzeit überall im Land im Gespräch. Nach dem Motto „groß ist schön“ sollen durch Fusionen von Colleges die Kosten gesenkt und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden. Ganz nach vorn preschte dabei der Rektor des Imperial College, Richard Sykes. Gemeinsam mit dem Vizekanzler des University College London (UCL) wollte er im September beide Einrichtungen fusionieren und damit eine WeltklasseUniversität in London schaffen, die es mit Harvard aufnehmen kann. Ihr Forschungsetat wäre mit über 400 Millionen Pfund jährlich größer als der von Oxford und Cambridge zusammen.

Eine natürliche Entwicklung sagen die Befürworter: „Glaxo wurde mit SmithKlineBeecham verschmolzen, Price Waterhouse mit Coopers and Lybrand. Überall kommt es zu Fusionen. Um erfolgreich im Wettbewerb bestehen zu können, müssen die Firmen eine bestimmte Größe haben und global operieren. Universitäten bilden dabei keine Ausnahmen“, meint Steven Schwartz, Vizekanzler der Brunel Universität London.

Dennoch fiel am 20.November der Plan von Sir Richard durch. Kurz bevor das Projekt dem Personal zur Abstimmung vorgelegt wurde, zogen sich die Initiatoren zurück. Die Stimmung bei den Professoren war zu eindeutig negativ, auch weil bisher noch keiner genau die viel beschworenen Synergieeffekte der Zusammenlegung belegen kann. Zum anderen hat der vorzeitige Abbruch mit dem Rektor des Imperial College zu tun, der im Deal bereits als Chef der neuen Superuni festgelegt war. Sir Richard Sykes hatte zuvor als Vorstandsvorsitzender das Pharmakonzerns Glaxo die Verschmelzung mit SmithKlineBeecham im zweiten Anlauf durchgedrückt. Die Folge; Entlassungen beim Forschungspersonal. Das befürchten nun auch die UCL-Dozenten. Sie sehen das Projekt eher als feindliche Übernahme. KS

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