Gesundheit : Luftverschmutzung: Weniger Treibhausgase, mehr Luft zum Atmen

Paul Janositz

Die konsequente Reduzierung von Treibhausgasen dürfte langfristig nicht nur das aufgeheizte Weltklima abkühlen, sie könnte auch Tausende von Menschenleben retten. Bis zum Jahre 2020 könnten allein in den vier Metropolen Santiago de Chile, Mexiko-Stadt, Sao Paulo und New York 64 000 vorzeitige Todesfälle, 65 000 Fälle von chronischer Bronchitis sowie 37 Millionen TageArbeitsausfall vermieden werden, wie Forscher im Magazin "Science" kommentieren.

Die Autoren des Kommentars um den Forscher Luis Cifuentes von der katholischen Universität in Santiago kritisieren den anhaltenden Verbrauch fossiler Brennstoffe für Stromgewinnung, Verkehr und Industrie. Mit den klimaschädlichen Gasen, vor allem Kohlendioxid, kämen auch Schadstoffe in die Luft, die zu Folgen für Gesundheit und Wohlstand führten. Die Umstellung alter Kohlekraftwerke könnte allein in den USA jährlich 18 700 Leben retten sowie den Ausfall von drei Millionen Arbeitstagen verhindern.

Es gebe mittlerweile Hunderte von Studien aus Entwicklungs- und Industrieländern, die übereinstimmend die kurz- und langfristigen Gefahren zeigten, die der gegenwärtige Level an Luftschadstoffen und Ozon hervorrufe. Krankenhauseinlieferungen und ärztliche Interventionen, Komplikationen bei Asthma und Bronchitis, Arbeitsausfälle, Lungenprobleme bei Kindern und Jugendlichen und nicht zuletzt Todesfälle gehören dazu.

In Gebieten sehr hoher Luftverschmutzung in der Tschechischen Republik oder in Mexiko-Stadt hat sich laut "Science" ein doppelt so hohes Sterblichkeitsrisiko bei Kindern ergeben. Eine Untersuchung aus den USA habe kürzlich gezeigt, dass zwischen 1994 und 1996 geborene Kinder von Müttern, die in Regionen hoher Luftverschmutzung lebten, ein deutlich geringeres Gewicht hatten als es in weniger belasteten Landstrichen der Fall war.

Die Autoren verweisen auch auf Untersuchungen der Weltgesundheitsorganistion (WHO). Nach einer Studie von 1995 erleiden weltweit etwa 460 000 Menschen einen "vermeidbaren Tod" durch Luftschadstoffe, denen sie in Ballungsräumen ausgesetzt sind. Gemäß einer Hochrechnung von 1997 sterben jährlich fast 700 000 Menschen an den Folgen von verschmutzter Luft. Ihre Zahl dürfte sich bis zum Jahre 2020 auf etwa acht Millionen addieren.

Das Ziel müsse es sein, weniger fossile Brennstoffe zu verbrauchen und auf Methoden der Energiegewinnung umzusteigen, bei denen weniger Kohlendioxid frei werde, fordern die Science-Autoren. Die Verminderung von Treibhausgasen senkt auch die bei der Verbrennung ebenfalls freiwerdenden gesundheitsgefährdenden Substanzen. Der Nutzen könne sich auch kurzfristig einstellen, wie sich beispielsweise 1996 während der Olympischen Spiele in Atlanta zeigte. Durch alternative Verkehrsgestaltung war damals die Luftverschmutzung um etwa 30 Prozent zurückgegangen. Die medizinischen Notfälle mit Kindern sanken während des "Olympia-Sommers" verglichen mit demselbem Zeitraum des vorhergehenden und folgenden Jahres um etwa 20 Prozent, die Sterblichkeitsrate lag sogar um rund 40 Prozent niedriger.

Solche Resultate beweisen, so mahnen die Forscher, wie notwendig konsequente politische Maßnahmen sind. Mit jedem Tag, an dem fossile Brennstoffe im gleichen Umfang wie derzeit verbrannt werde, erhöhe sich die Zahl von Todesfällen und Krankheiten augrund ungebremster Emission von Schadstoffen. Drei Milliarden Menschen in den Ballungsräumen der Welt könnte die Reduzierung der Treibhausgase nützen. Die Tatsache, dass sich nicht nur das Klima verbessere, sondern auch die Gesundheit profitiere, sei ein überzeugendes Argument zum Handeln.

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