Gesundheit : Macht Mathe Spaß?

Klassisches Rechnen an der Tafel und erfrischende Projekte: Berliner Schüler und Lehrer plaudern aus der Schule

Benjamin Rücker, 15, GeorgWeerth-Realschule Friedrichshain:

Mathe liegt in meiner Fächer-Rangfolge in der Mitte. Das beste Fach ist der neue Kurs in diesem Jahr Management und Innovationen. So müsste Schule immer sein. Der Kurs ist wie ein richtiger Job. Wir Schüler müssen unheimlich viel selber organisieren, als nächstes den Tag der offenen Tür an unserer Schule. Da kann man seinen Ideen richtig freien Lauf lassen. Das ist im Mathe-Unterricht anders. Am Anfang der Stunde rechnen wir immer drei Übungsaufgaben. Dann wird der Stoff der letzten Stunde abgefragt, bevor der neue kommt. Den erklärt unsere Lehrerin, indem sie eine Aufgabe an der Tafel vorrechnet. Die erste Übungsaufgabe rechnen wir zusammen durch. Den Rest sollen wir selbstständig bearbeiten, da geht die Lehrerin herum und beantwortet Fragen. Die Aufgaben, die wir nicht schaffen, müssen wir zu Hause lösen. Das bedeutet also ein wenig Druck, aber das finde ich sehr gut. Man sagt sich: Ich will heute Nachmittag noch was anderes machen als Hausaufgaben, also strengt man sich schon in der Schule an.

Claudia Omilian, 14, Georg- Weerth-Realschule:

Mit Zahlen umzugehen, fällt mir leicht. Viele sagen, dass das für ein Mädchen ungewöhnlich ist, aber ich sehe da keinen großen Unterschied zu den Jungs. Bei uns in der Klasse verstehen in Mathe manchmal die Mädchen mehr und erklären das dann den Jungs und manchmal ist es umgekehrt. Auf alle Fälle helfen die Besseren den Schwächeren. Das unterstützt unsere Mathelehrerin auch. Wenn einer im Unterricht fragt, ob man zum Erklären rüberkommen kann, kann man hingehen, ohne dass die Lehrerin gleich meckert. Es sind auch so viele, die wenig verstehen, das würde sie gar nicht alleine schaffen. Wenn wir Vorschläge haben, wie man eine Aufgabe besser lösen kann, geht sie darauf ein. Sie rechnet dann an der Tafel die verschiedenen Lösungswege vor und erklärt, was am besten geht. Was ich am Unterricht verbessern würde? Wir sind 28 in der Klasse, ich würde lieber in einer kleineren Klasse sitzen. In Informatik hatten wir letztes Jahr Teilungsunterricht. Da konnte man viel besser lernen.

Dominik Manikowski, 15, Marie-Curie-Gymnasium Wilmersdorf:

Im Gegensatz zu Fächern wie Französisch macht Mathe mir großen Spaß. Das hängt allerdings vom Lehrer ab. In der Grundschule hatte ich keine Probleme. In der siebten und achten Klasse ging es aber richtig runter. Unser Lehrer hat uns nur Formeln berechnen lassen, konnte keine Eselsbrücken nennen, und andere Hilfsmittel wurden schon gar nicht eingesetzt. Am Anfang des Schuljahres haben wir einen neuen Mathelehrer bekommen, seitdem geht es wieder aufwärts. Der Neue legt viel Wert auf Partnerarbeit. Vor Klassenarbeiten wiederholen wir den Stoff in Gruppen. Jede Gruppe stellt dabei für die anderen Schüler das Wichtigste von einem bestimmten Thema zusammen. Der Lehrer geht rum und beantwortet die Fragen, die wir ihm stellen. Wir hatten auch schon einmal eine Art Mathe-Zirkeltraining: Da musste man von Tisch zu Tisch gehen, um Teilaufgaben zu lösen - und erst am Ende des Parcours hatte man das ganze Thema verstanden. Viele in meiner Klasse mögen Mathe aber trotzdem nicht.

Martin Neuling, 56, Marie-Curie-Gymnasium Wilmersdorf, Fachbereichsleiter Mathematik:

Wir haben 1998/99 begonnen zu überlegen, wie wir unseren Unterricht reformieren können. Für mich steht im Vordergrund, den Schülern kreatives Problemlösen zu ermöglichen. Man sollte als Lehrer den Schülern genug Raum geben, eigene Sachen zu entwickeln. Mit Projektarbeit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Beim Pythagoras-Projekt beschäftigten sich die Schüler mit dem Leben des Pythagoras, mit Anwendung seiner Flächensätze – auch in Verbindung mit anderen Fächern, wie Pythagoras und Musik. Bei der Präsentation kamen sehr lebendige Arbeiten heraus. Bei 26 Stunden Unterricht in der Woche ist es allerdings unmöglich, Projekte in jeder Klasse anzubieten und den Unterricht komplett umzustellen. Ich versuche, auch den Referendaren neue Unterrichtsmethoden beizubringen. Das Umfeld macht es einem aber schwer: Wir werden zugeschüttet mit bürokratischer Arbeit. Das nimmt sehr viel Zeit weg, die dann für die Unterrichtsvorbereitung fehlt.

Barbara Kotyrba, 49, Georg-Weerth-Realschule Friedrichshain:

Wir prüfen zu Beginn der siebten Klasse die Grundrechenarten ab. Es ist erschütternd, was uns die Schüler da anbieten. Wir verbringen die gesamte siebte Klasse damit, sie auf den gleichen Wissensstand zu bringen. Auf den Stoff des Lehrplans können wir uns deswegen am Anfang fast überhaupt nicht stürzen. Im Kollegium wird intensiv diskutiert, wie der Mathe-Unterricht verbessert werden kann. Neue Lehrmethoden wie Gruppenarbeit bieten sich meiner Meinung nach aber nicht so an wie zum Beispiel in den Naturwissenschaften. Teilungsstunden wären in Mathematik auch sehr angebracht. Es macht schon einen Unterschied, ob man 15 oder 30 Schüler unterrichtet. Und die Zusammenarbeit mit den Grundschulen müsste verbessert werden. Das ist aber sehr schwierig. Sobald wir den schwachen Leistungsstand unserer Siebtklässler ansprechen, fühlen sich die Grundschullehrer gleich angegriffen.

Aufgezeichnet von Tilmann Warnecke. Fotos von Kai-Uwe Heinrich..

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