Gesundheit : Magnus-Haus: Streit um das Barock-Palais am Kupfergraben

Bärbel Schubert

Nach dem Verkauf des Magnus-Hauses an die Siemens AG fürchtet die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) um ihre Nutzungsrechte. "Das Magnus-Haus muss der Wissenschaft erhalten bleiben", forderte DPG-Präsident Dirk Basting am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin. Sollten weitere Gespräche mit Siemens ohne Ergebnis bleiben, denkt man an eine Klage. Mehrere Nobelpreisträger unterstützen inzwischen die Bemühungen um das Gebäudes, darunter Manfred Eigen, der den Nobelpreis für Chemie 1967 erhielt. Die Befürchtungen werden auch dadurch geschürt, dass die neuen Eigentümer und der Senat als Verkäufer den Kaufvertrag nicht offen legen.

Siemens, bisher Mieterin in dem Gebäude, hatte das repräsentative Barockpalais Ende September zu einem unbekannten Kaufpreis erworben, um es "irgendwann" als Firmenrepräsentanz zu nutzen. Bisher hat die DPG das Gebäude wie ein Eigentümer geführt. Zugesichert ist eine Nutzung für mindestens 30 Jahre. Die Gesellschaft bleibe "auch weiterhin unentgeltlicher Nutzer" der Immobilie, versicherte der zuständige Siemens-Bereichsleiter Dieter Hörtreiter auf einer anschließenden Pressekonferenz am selben Tag. Man sei an einem harmonischen Miteinander sehr interessiert. Doch die Verärgerung ist groß. Die Physikalische Gesellschaft kritisiert das Vorgehen als "unerhört" und "überhastet". Man sei von den Kaufabsichten nicht einmal informiert worden. Die eigene Kaufabsicht sei durch den frühen Abschluss vereitelt.

Auch der vermutete günstige Kaufpreis in Höhe von fünf bis acht Millionen Mark wird als unangemessen niedrig angesehen. Ein bei der Pressekonferenz vorgelegtes Gutachten setzt den Wert der Immobilie bei bestehenden Mietverhältnissen auf 30 Jahre sogar nur bei 2,86 Millionen Mark an. Das Palais hat in Toplage zwei renovierte, repräsentative Etagen. Dazu gehören rund 3000 Quadratmeter Garten und eine für den Restaurantbetrieb ausgebaute Remise. Für die Renovierung hatte das Land Berlin drei Millionen Mark aufgewandt. Siemens spendete zehn Millionen Mark, steuerbegünstigt.

Von einem "Kolonisierungsprozess, der viele gute Einrichtungen der DDR getroffen hat" spricht man nun bei der DPG. Eines der wenigen Symbole einer gelungenen Wiedervereinigung werde so zerstört. Der Physikalischen Gesellschaft der DDR war das Haus 1958 übertragen worden. Sie brachte es beim Zusammenschluss mit der DPG 1990 ein. Noch hoffen einige Wissenschaftler allerdings auch auf eine großzügige Geste von Siemens.

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