Gesundheit : Manfred Erhardt in Berlin geehrt

Uwe Schlicht

Berlin verdanke es ganz wesentlich dem Wirken Manfred Erhardts, dass die Stadt heute die Wissenschaftsregion Nummer eins in Deutschland sei. So würdigte der Präsident der Humboldt-Universität, Jürgen Mlynek, Berlins Wissenschaftssenator in den Jahren 1991 bis 1996 und späteren Generalsekretär des Stifterverbandes der deutschen Wirtschaft. Mit 66 ist Erhardt nun in den Ruhestand gewechselt – Anlass für ein Berliner Symposium zu seinen Ehren.

In der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften waren sich am Freitag führende Vertreter der Wirtschaft und der Politik einig: Bei zurückgehendem Engagement des Staates wird die private Finanzierung durch die Wirtschaft immer wichtiger. Diese Partnerschaft zwischen öffentlichem und privatem Bereich stand im Mittelpunkt des Wirkens von Erhardt als Generalsekretär des Stifterverbandes.

Das Dilemma belegte Erhardt mit Zahlen: In Deutschland würden 33 Prozent des Staatshaushalts für Soziales ausgegeben, aber nur 5,5 Prozent für Wissenschaft und Forschung. Dazu forderte Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg, Investitionen sollten künftig mehr auf die Zukunft als auf die Vergangenheit orientiert werden. Das sei ein Ziel des Pakts für die Forschung, über den die Ministerpräsidenten noch in diesem Frühjahr entscheiden sollen. Günter Stock vom Vorstand der Schering AG betonte, dass auch die Wirtschaft an langfristigen Kooperationen mit der Wissenschaft interessiert sei.

Bleibt die Frage nach der Autonomie der Hochschulen unter den neuen Bedingungen einer Partnerschaft. Als er Erhardt 1991 aus Stuttgart nach Berlin holte, habe den Hochschulen gerade nicht ein Höchstmaß an Autonomie gewährt werden können, sagte der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen. Kurz nach der Wiedervereinigung sei es Erhardt darum gegangen, aus der Humboldt-Universität etwas anderes als eine Massenuniversität im herkömmlichen Sinn zu machen. In Adlershof sollte ein Technologiepark in Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft entstehen. Bei einer vollen Autonomie hätten die Berliner Universitäten das damals zweifellos abgelehnt, glaubt Diepgen. Erhardt habe auf Wettbewerb gesetzt, und dieses neue Konkurrenzdenken habe auch der Freien Universität genützt.

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