Gesundheit : Maßgeschneiderter Schwindel

Untersuchungskommission: Der südkoreanische Forscher Hwang Woo-Suk hat seinen spektakulärsten Versuch komplett gefälscht

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Die Studie des südkoreanischen Klonforschers Hwang Woo-Suk, in der er behauptet, maßgeschneiderte Stammzellen für elf schwer kranke Patienten hergestellt zu haben, ist komplett gefälscht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchungskommission der Nationalen Universität Seoul. „Wir können derzeit keine Stammzellen finden, deren DNS mit der der Patienten identisch ist“, sagte der Sprecher der Kommission, Roe Jung-Hye, am Donnerstag in der südkoreanischen Hauptstadt. „Hwangs Team verfügt nicht über die wissenschaftlichen Daten, um zu beweisen, dass es solche Stammzellen produziert hat.“

Offen sei noch, ob dem Wissenschaftler die Technik des therapeutischen Klonens überhaupt gelungen ist. Unklar ist auch, ob es sich bei Hwangs Hund „Snuppy“, den er der Öffentlichkeit dieses Jahr als ersten geklonten Hund präsentierte, ebenfalls um eine Fälschung handelt.

Hwang hatte im Juni im US-Fachmagazin „Science“ mit einer spektakulären Untersuchung für Aufsehen gesorgt: Angeblich hatte er das Erbgut von elf Menschen, die unter Rückenmarksverletzungen, Diabetes und anderen Krankheiten litten, in zuvor genetisch geleerte Eizellen geschleust und die Zellen zu Embryonen heranwachsen lassen. Den Embryonen hätten sich Stammzellen entnehmen lassen, deren Erbgut mit dem der Patienten übereinstimmten. Diese Technik bezeichnet man als „therapeutisches Klonen“. Stammzellen sind jene Urzellen, aus denen sich die unterschiedlichen Gewebetypen entwickeln, wie Herzmuskelgewebe oder Nervenzellen.

Hätte man Stammzellen mit dem Erbgut des Patienten, so die Hoffnung vieler Forscher, ließe sich eventuell Ersatzgewebe bilden, das vom Immunsystem des Patienten nicht abgestoßen wird. Bei der Parkinson-Krankheit etwa gehen in einer bestimmten Region des Gehirns die Nervenzellen zu Grunde – und rufen Symptome wie Erstarren und Zittern der Muskeln hervor. Mit körpereigenen Nervenzellen könnte man die geschädigten Zellen womöglich ersetzen.

Der Forscher Hwang hatte nicht nur seinen elf Patienten, sondern zahlreichen Kranken weltweit Hoffnung auf Ersatzgewebe gemacht. 2004 publizierte er in „Science“ eine erste Studie, in dem er verkündete, ihm sei das therapeutische Klonen erstmals gelungen. 2005 folgte dann die spektakuläre Untersuchung, in der er behauptete, die Technik noch effizienter gemacht zu haben: Hwang brauchte nun angeblich nur noch 17 Eizellen pro Patient – die Vision vom maßgeschneiderten Ersatzgewebe für jedermann rückte in greifbare Nähe.

DNS-Tests in drei unabhängigen Labors ergaben nun, dass keine der vorhandenen Stammzellkulturen aus der Studie von 2005 mit dem Erbgut der Patienten übereinstimmten. Noch ist nicht geklärt, ob es sich auch bei Hwangs Forschungsbericht von 2004 um eine Fälschung handelt. Ist das der Fall, stünde das therapeutische Klonen wieder ganz am Anfang.

Mitte Januar will die Untersuchungskommission ihren Abschlussbericht präsentieren. Letzte Woche hat sie auch Proben von Klonhund „Snuppy“ zur Prüfung an zwei Labors geschickt – sämtliche Studien Hwangs stehen unter Verdacht.

Hwang selbst behauptet, man hätte die Stammzellen aus seinem Labor gestohlen und durch andere Proben ersetzt. Doch da Hwang schon zuvor wiederholt gelogen hat, glaubt ihm mittlerweile keiner mehr. An der Börse in Seoul knickten die Biotech-Werte ein. Die Wut auf den einstigen Volkshelden wächst. bas

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