Gesundheit : Mathematikreform: Bis 2003 wird noch geprobt

Uwe Schlicht

Deutsche Schüler haben im internationalen Vergleich in Mathematik und den Naturwissenschaften nur durchschnittliche Leistungen aufzuweisen. Spitzenergebnisse erzielten die Asiaten und in Europa die skandinavischen Länder sowie die Niederlande. Die OECD hat dies mit international vergleichenden Tests in den siebten und achten Klassen sowie in den zwölften Klassen ermittelt. Experten zogen jetzt in Berlin eineBilanz der Versuche, den Unterricht an den deutschen Schulen zu verbessern.

Das 1997 bekannt gewordene Ergebnis der TIMS-Studie war ein Schock für die deutsche Öffentlichkeit. Den hiesigen Schülern mangelt es schon in der Mittelstufe an Basiswissen sowie am Verständnis mathematischer und naturwissenschaftlicher Methoden. Die Schwächen verstärken sich bis in die Oberstufe. Begleitet wird das von der Abwahl der entsprechenden Leistungskurse in der Oberstufe und setzt sich in Studienentscheidungen gegen mathematische und technische Fächer fort. Ein Ergebnis ist der heute viel beklagte Fachkräftemangel.

Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung hat 1998 Modellversuche zur Verbesserung des Mathematik- und naturwissenschaftlichen Unterrichts gestartet. Die Modelle werden an 180 Schulen erprobt, darunter 12 in Berlin. In fünf Jahren sollen die Methoden so erprobt sein, dass die Unterrichtsreform möglichst auf alle Schulen übertragen werden kann.

Zur Halbzeit wurde gestern in der Kreuzberger Ossietzky-Schule vor über 300 Schulleitern, Seminarleitern, Fachlehrern und Schülern Bilanz gezogen. Das Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften der Universität Kiel koordiniert die Modellprogramme. Jede Schule kann sich unter elf vorgegebenen Unterrichtseinheiten - so genannte Module - etwa drei aussuchen und gestalten. Das Ergebnis ist ein reger Austausch unter den Schulen einer Stadt und über die Ländergrenzen hinweg. Das Ziel, einen neuen Unterricht zu ermöglichen, bei dem die Anwendung sowie die Lebensnähe im Mittelpunkt stehen und die Schüler selbstständig Lösungswege für eine Aufgabe erarbeiten, scheint erreichbar.

Künftig sollen nicht mehr das Auswendiglernen von Formeln und der Frontalunterricht im Vordergrund stehen, wie Professor Manfred Prenzel von der Uni Kiel betonte. Die aktive Suche nach Lösungen wird in den Mittelpunkt gerückt und erst am Ende des Weges soll die Formulierung einer Regel stehen. Eine revolutionäre Veränderung des gesamten Unterrichts wird dabei nicht angestrebt, aber eine schrittweise Verbesserung. Die soll so viel in Bewegung setzen, dass sich dadurch der Unterricht eines ganzen Fachgebiets ändert. Dass man solides Basiswissen benötigt, auf dem erst alles Weitere aufbauen kann, gehört ebenso zu den Voraussetzungen wie das Lernen aus den Fehlern.

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