Gesundheit : Maus-Erbgut durch RNS übertragen

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Normalerweise werden Erbinformationen nur durch das Erbgutmolekül DNS weitergegeben. Minoo Rassoulzadegan, Forscherin am französischen Institut für Gesundheit und Medizinforschung (Inserm), berichtet jetzt im Magazin „Nature“ (Band 441, Seite 469), dass bei gentechnisch veränderten Mäusen eine Erbanlage auch durch Ribonukleinsäure (RNS) übertragen werden konnte.

Dass RNS als Erbmaterial dienen kann, ist bisher nur von Viren bekannt. Bei Mensch und Tier ist die RNS der DNS untergeordnet. Die RNS hat die Aufgabe, Erbinformationen zwischenzuspeichern und in Proteine zu übersetzen.

Die Forscher veränderten nun ein bestimmtes Gen (Kit-Gen) in der DNS von Mäusen und ergänzten es um eine Erbanlage für weiße Tupfer auf dem Schwanz der Nager. Diese genetisch veränderten Tiere wurden mit normalen Mäusen gepaart. Überraschenderweise wiesen alle Nachkommen die weißen Punkte auf, auch wenn manche Tiere kein verändertes Kit-Gen besaßen.

Rassoulzadegan konnte zudem zeigen, dass die veränderten Kit-Gene riesige Mengen übergroßer RNS erzeugten, die sich auch in den Spermien der mutierten Tiere fand. Es gelang auch der Nachweis, dass die RNS tatsächlich für die weißen Tupfer verantwortlich war. Als RNS von genetisch veränderten Zellen direkt in normale Mäuse-Embryonen injiziert wurde, zeigte sich, dass die in der Folge geborenen Nagetiere auch die Flecken auf den Schwänzen hatten.

Die Ergebnisse könnten sich auf die Erforschung von Erbkrankheiten auswirken. Allerdings fordert Paul Soloway von der New Yorker Cornell-Universität zur Vorsicht vor zu weit gehenden Schlüssen auf. Erst müssten die Ergebnisse durch weitere Studien bestätigt werden. Tsp

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