Gesundheit : Mechanisches Pumpen Wie Herzunterstützungssysteme für einen steten Blutfluss sorgen

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Anstatt das kranke Herz zu entfernen, arbeiten die Mediziner heute vor allem mit Herzunterstützungsystemen. Trotz Kunstherz bleibt dem Patienten also sein eigenes Herz erhalten. Nur bei akut lebensbedrohlichem Zustand des Patienten kommen diese Systeme zum Einsatz: um die Zeit bis zu einer Transplantation zu überbrücken oder als mögliche Alternative dazu. Durch die Entlastung erholt sich sogar bei einigen Patienten das kranke Herz – die künstliche Pumpe wird dann wieder ausgebaut.

Die geschädigte Herzkammer kann durch unterschiedliche Pumpen, die implantiert werden oder außerhalb des Körpers liegen, gezielt entlastet werden. Das gilt besonders für die linke Herzkammer, die die größte Pumpleistung übernehmen muss. Solch ein Kunstherz presst sauerstoffreiches Blut, das von der Lunge kommt, direkt in die Hauptschlagader. Von dort wird es im Körper verteilt. Wie bei einer Umgehungsstraße fließt das Blut um die linke Herzhälfte herum.

Außer pulsativen Systemen, die wie das Herz rhythmisch pumpen, gibt es seit einigen Jahren auch axiale Systeme. Diese erzeugen über eine Turbinenschraube einen kontinuierlichen Blutfluss. Nach diesem Prinzip arbeitet auch das Kunstherz „Incor“, das die „Berlin Heart AG“ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin entwickelt. Seit der ersten Implantation im Juni 2002 gehört der Einsatz am Deutschen Herzzentrum inzwischen zur Routine.

„Incor“ arbeitet ohne Druckluft und benötigt keine kühlschrankgroßen Kompressoren oder externe Pumpen. Statt sich durch laute Pumpgeräusche in Erinnerung zu rufen, surrt Incor unhörbar in der Brust des Patienten vor sich hin. Das implantierte Kunstherz wiegt nur 200 Gramm.

Eine kleine Schraube erzeugt mit bis zu 12000 Umdrehungen pro Minute den kontinuierlichen Blutfluss. Magnetkräfte halten die Schraube in ihrer Position, so dass sie reibungsfrei schwebt. Vorteilhaft sind geringer Verschleiß und kleiner Energiebedarf gegenüber anderen Geräten. Außerhalb des Körpers liegen nur die Steuereinheit – etwas größer als ein portabler CD-Player – und die Akkus, die „Incor“ den nötigen Strom liefern. Der Patient kann sie in einem Gürtel mit sich tragen. lum

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