Gesundheit : Medizin: Immunsystem wird vergesslich

Adelheid Müller-Lissner

Ein neues Medikament könnte zur Hoffnung für Menschen werden, die von Schuppenflechte (Psoriasis) betroffen sind. In seiner neuesten Ausgabe (Band 345, Nr. 4, S. 248ff.) berichtet das Fachblatt "New England Journal of Medicine" über Erfolge mit "Alefecept", einem gentechnisch hergestellten Präparat, das gezielt in das Immunsystem eingreift.

Derzeit leiden in Deutschland nach Auskunft des Deutschen Psoriasis Bundes rund drei Millionen Menschen unter den oft schubweise auftretenden Hautveränderungen. Meist handelt es sich dabei um rote, scharf begrenzte, silbrig glänzende Schuppen. Vorzugsweise werden Knie, Ellbogen, Kopfhaut und Fingernägel befallen. Bei fast jedem zehnten Betroffenen kommen noch Rheumaschmerzen an den Gelenken der Hände und Füße hinzu. Ganz abgesehen von den seelischen Belastungen, die vor allem dann zu verkraften sind, wenn der ganze Körper betroffen ist. Jeder Schwimmbadbesuch kann dann zum Spießrutenlauf werden, weil die Mitmenschen sich vor der vermeintlich ansteckenden Hautschuppung ekeln.

Behandlung ist mit Cortisonpräparten, UV-Bestrahlung mit Medikamentengabe oder mit dem Vitamin-D-ähnlichen Wirkstoff Calcipotriol sowie der Fumarsäure möglich - mit unterschiedlichem Erfolg. Was die Schuppenflechte ausbrechen lässt, ist noch unklar. Sicher ist, dass Reifung und Abstoßung der Hornzellen der Haut gestört sind. Sicherlich spielt auch das Immunsystem bei derartigen Entzündungsvorgängen eine entscheidende Rolle.

Bei der Studie wurden 229 Patienten zwölf Wochen lang behandelt. Sie erhielten einmal wöchentlich entweder das biotechnologisch hergestellte Fusionsprodukt, das gezielt Abwehrzellen attackiert, oder aber ein Scheinmedikament gespritzt. Bei den Nachuntersuchungen zwei und zwölf Wochen nach Behandlungsende zeigten sich bei den mit dem Echtpräparat behandelten Gruppen deutliche Verbesserungen des Hautbildes. Allerdings hatte sich auch bei den Patienten, die nur ein Scheinpräparat gespritzt bekommen hatten, die Schuppenflechte teilweise stark zurück entwickelt.

Durchschlagenden Erfolg zeigte jedoch nur die Therapie mit Alicept. In einigen Fällen war es gelungen, die Schuppenflechte praktisch ganz zum Abklingen zu bringen. 26 Patienten mussten erst etwa zehn Monate nach Abschluss der Therapie wieder eine neue Behandlung aufnehmen. Die lang anhaltende Wirkung erklärt sich möglicherweise daraus, dass Alefecept die Anzahl derjenigen T-Lymphozyten im Blut senkt, die für das "Gedächtnis" des Immunsystems zuständig sind.

Solche T-Zellen dienen eigentlich der Abwehr von Krankheitserregern, können sich allerdings auch gegen körpereigene Zellen und Organe richten. Die mögliche Gefahr: Auch ein gezielter Eingriff in das Immunsystem birgt theoretisch das Risiko, die notwendige Abwehr von Krankheitserregern zu schwächen. Deshalb sollte sorgfältig geprüft werden, ob die so Behandelten in Zukunft vermehrt unter Infekten leiden.

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